Die besten Jahre | Kampf dem blauen Dunst

DIE BESTEN JAHRE | Kampf dem blauen Dunst

Ist es bloss Sucht oder steckt eine ganz eigene Faszination hinter dem Rauchen? Klar ist, sobald die Rauchinhaltsstoffe den Körper erreichen, läuft ein biochemischer Prozess ab. Vor allem die fürs Wohlfühlen zuständigen Rezeptoren im Gehirn werden stimuliert. Das beim Rauchen ausgeschüttete Adrenalin erhöht zudem vorübergehend die Leistungsfähigkeit, die allerdings nach Ende der Wirkung umso stärker nachlässt.

Die meisten Raucher haben als Jugendliche angefangen. Denn mit der Zigarette im Mund wirkt man gleich erwachsener. Und vor allem für unsichere Menschen ist es ein gutes Gefühl, dazuzugehören. Auch als Erwachsene verbindet das Zusammenstehen in Raucherräumen oder vor Eingangstüren zu Bars und Restaurants. Wenn sich jedoch Körper, Geist und Gewohnheiten einmal darauf eingelassen haben, wird es sehr schwer, wieder vom Glimmstengel loszukommen.

Ein Rauchstopp ist für Menschen mit HIV besonders relevant. Denn unter ihnen gibt es mehr Raucher als in der Allgemeinbevölkerung, nämlich 40 Prozent gegenüber 17 Prozent Zudem tragen sich unter ihnen weniger mit dem Entschluss, das Rauchen aufzugeben (32% vs. 52%). Ein US-amerikanisches Forscherteam hat sich nun mit dem Einfluss des Rauchens sowie des Rauchstopps auf die Lebenserwartung von HIV-Patienten beschäftigt. Die Lebenserwartung von männlichen HIV-Patienten betrug 65 Jahre bei Rauchern, 71 Jahre bei Ex- und 72 Jahre bei Nichtrauchern. Die Lebenserwartung weiblicher Patienten betrug 68 Jahre bei Raucherinnen, 73 Jahre bei Ex-Raucherinnen, 74 Jahre bei Nichtraucherinnen. Besonders positiv wirkte sich mit einer um mehrere Jahre erhöhten Lebenserwartung ein früher Rauchstopp aus. Aber auch für 60-jährige Patienten zeigte ein Rauchstopp einen positiven Effekt. Fazit der Studie: Die Lebenserwartung von Rauchern mit HIV wird vom Rauchen doppelt so stark negativ beeinflusst wie von der HIV-Erkrankung selbst.

Für einen erfolgreichen Rauchstopp ist die Motivation das A und O. Schwerer als aufzuhören ist es aber, nicht gleich wieder anzufangen. Hier sind einige Tipps, die die Rückfallgefahr senken:

  • Treiben Sie Sport. Das baut Spannungen ab, vermindert das Rauchverlangen und erhöht das Selbstwertgefühl.
  • Planen Sie Aktivitäten, die Ihnen Freude machen. Achten Sie darauf, keine tote Zeit zu haben, während der sich das Verlangen nach einer Zigarette einschleichen könnte.
  • Werfen Sie Zigarettenpackungen weg, verstecken Sie Aschenbecher und Anzünder.
  • Lassen Sie Ihr Umfeld wissen, dass Sie mit Rauchen aufgehört haben, und bitten es, Ihnen zu helfen.
  • Lassen Sie sich von einer Fachperson helfen. Sie können sich einfach an Ihren Arzt oder direkt an einen Entzugsspezialisten wenden.
  • Hören Sie gemeinsam mit Ihrem Partner auf, das erhöht Ihre eigenen Erfolgschancen.
  • Kaufen Sie sich mit dem Zigarettengeld, das Sie gespart haben, kleine Geschenke. Andere Belohnungen kosten nichts, wie Freunde treffen oder freinehmen.

August 2017|Nathan Schocher