Welt-Aids-Tag 2017

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Weltweit sind Menschen aufgefordert, aktiv zu werden im Kampf gegen Aids und HIV und ihre Solidarität gegenüber Menschen mit HIV zu zeigen.

Welt-Aids-Tag Illustration: Daniel Müller

Rund 36.7 Millionen Menschen leben weltweit mit dem HI-Virus. Davon haben rund 19.5 Millionen Menschen Zugang zur antiretroviralen Therapie. Das sind 2.4 Millionen Menschen mehr als 2015 und fast 12 Millionen mehr als 2010. Bei der Zahl der Neuansteckungen setzt sich global gesehen ein leicht sinkender Trend fort. In Ost- und Südafrika sinkt die Zahl der Neuansteckungen bei Erwachsenen signifikant, während die Zahlen in Osteuropa und Zentralasien steil ansteigen.

«HIV-positive Menschen unter wirksamer Therapie geben das HI-Virus sexuell nicht weiter. Das ist ein Fakt. Andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) können aber weiterhin übertragen werden, auch mit Kondom. Weil eine STI-Infektion auch symptomlos verlaufen kann, ist regelmässiges Testen und falls nötig Behandeln die wirksamste Methode, die Infektionsrate zu senken.»
Dr. Gay, Aids-Hilfe Schweiz

Aller Aufklärung zum Trotz kämpfen HIV-positive Menschen noch immer gegen Vorurteile und Diskriminierung. Davon können auch die rund 20’000 HIV-positiven Menschen in der Schweiz ein disharmonisches Lied singen. Mobbing und Entlassungen am Arbeitsplatz, Outing in Social Media und im Privatbereich, Verweigerung der Behandlungskosten, Barrieren auf dem Weg in die Selbstständigkeit, unzulässige Erwähnung von HIV gegenüber Drittpersonen sind nur einige der täglichen Diskriminierungen, mit denen sich HIV-positive Menschen konfrontiert sehen. Dabei ist seit 2008, als das Swiss Statement erstmals den Weg an die Öffentlichkeit fand, klar, dass HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie sexuell nicht infektiös sind. Dank erfolgreicher Therapie ist die Viruslast nicht mehr nachweisbar und somit kommt es auch nicht mehr zu einer HIV-Übertragung.

Und wie steht es um andere sexuell übertragbare Infektionen?

In den letzten Jahren sind die Neuansteckungen bei sexuell übertragbaren Infektionen (STI) in der Schweiz frappant angestiegen, während die Ansteckungsrate beim HI-Virus seit Jahren stagniert. Wurden im Jahre 2006 rund  200 Syphilis-Fälle bestätigt, sind es zehn Jahre später fast 800 Fälle. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Zahlen zu  Gonorrhö: 2006 rund 800 Fälle, 2015 annähernd 2400. 

Gehen die Menschen in der Schweiz so nachlässig mit ihrer sexuellen Gesundheit um? 

Das Gegenteil ist der Fall. Die Zahlen steigen in der Schweiz, weil Präventionskampagnen greifen, das Testnetz  immer dichter wird und sich immer mehr Menschen testen lassen. Und auch Ärztinnen und Ärzte Patientinnen  und Patienten häufiger auf Geschlechtskrankheiten ansprechen und allenfalls einen Test empfehlen. Langsam, aber  sicher findet ein Umdenken zu sexuell übertragbaren Infektionen statt: aus der Schmuddelecke in die Normalität.  Die Aids-Hilfe Schweiz engagiert sich seit Jahren für eine bessere Aufklärung und häufigere Tests von STI. Dies im  Einklang mit dem NPHS (Nationales Programm HIV und andere sexuell übertragene Infektionen 2011—2017). Mit  dem Ziel, die sexuelle Gesundheit der Schweizer Bevölkerung zu verbessern. Zwar ist keine STI so gefährlich wie  HIV – unbehandelt können STI jedoch schwere Folgen (chronische Erkrankungen, Unfruchtbarkeit etc.) nach sich  ziehen. Ausserdem können sie dem HI-Virus Tür und Tor öffnen. Da sich bei den meisten STI die Schleimhäute im  Genitalbereich entzünden, wird eine Ansteckung oder Übertragung mit HIV einfacher. Was für die HIV-Prävention  gilt, hat auch für sexuell übertragbare Infektionen Gültigkeit: Nicht die Krankheit an sich ist gefährlich, sondern  jene Menschen, die ihren Status nicht kennen.

Veranstaltungen zum Welt-Aids-Tag 2017
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