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Schutz: Safer Sex und Safer Use

 

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Wie kann man sich vor HIV schützen?

Um sich und andere zu schützen, ist es wichtig, sich zu informieren, auf die Risiken zu achten und entsprechend zu handeln.

Safer Sex

  • Bei eindringendem Verkehr immer Präservative (oder ein Femidom*)verwenden
  • Kein Sperma in den Mund, kein Sperma schlucken (kein Höhepunkt im Mund der Partnerin bzw. des Partners)
  • Kein Menstruationsblut in den Mund, kein Menstruationsblut schlucken (kein Oralverkehr während der Periode)
*Das Femidom ist ein Kondom für die Frau; es ist in in unserem Online-Shop www.shop.aids.ch  erhältlich.

· Sex zwischen Frau und Mann

Beim sexuellen Abenteuer, beim «One-Night-Stand» – auch und gerade im Urlaub – ist es ratsam, immer Safer Sex zu praktizieren, d.h. bei eindringendem Verkehr (vaginal oder anal) Kondome zu benutzen und beim Oralverkehr kein Sperma oder Menstruationsblut in den Mund aufzunehmen.

Safer Sex ist aber auch wichtig am Anfang einer neuen Beziehung. In dieser Situation können beide nach drei Monaten Safer Sex einen HIV-Test durchführen. Wenn dieser für beide negativ ausfällt und beide sich absolut treu sind, kann nachher auf Safer Sex verzichtet werden. Wichtig aber: Wenn es doch einmal zu einem Seitensprung kommen sollte: unbedingt nur Safer Sex. Und: Ein früherer Test sagt nichts darüber aus, ob seither eine Infektion stattgefunden hat oder nicht (vgl. Testverfahren).

Wenn nicht klar ist, ob der Partner bzw. die Partnerin treu ist oder sich bei anderen Kontakten wirklich an die Safer-Sex-Regeln hält, empfiehlt es sich, auf Safer Sex auch in der Beziehung zu bestehen.

Besondere Vorsicht ist wichtig, wenn eine der beteiligten Personen Drogen spritzt (Safer Use, siehe unten).

· Männer, die Sex mit Männern haben

Männer, die Sex mit Männern haben, schützen sich ebenfalls durch Safer Sex. Sie verwenden beim Analverkehr Kondome und achten beim Oralverkehr darauf, dass kein Sperma in den Mund gelangt.
In sexuell sehr aktiven Schwulenszenen mit häufig wechselnden Sexualpartnern ist HIV viel weiter verbreitet als in der heterosexuellen Durchschnittsbevölkerung. Ungeschützte Sexualkontakte bergen hier entsprechend ein hohes Risiko.

· Frauen, die Sex mit Frauen haben

Das Ansteckungsrisiko ist beim Sex zwischen Frauen sehr gering. Aber auch hier gilt: keine orale Befriedigung während der Menstruation oder dann geschützt mit einem «Dental Dam» – einem Latextuch, das auf die Scheide gelegt wird*. Ein Übertragungsrisiko besteht auch beim Reiben der Genitalien aneinander, insbesondere während der Menstruation, oder beim Austausch von Sexspielzeug.
Wichtige HIV-Übertragungswege bei lesbischen oder bisexuellen Frauen sind ungeschützter Sex mit Männern und riskanter Drogenkonsum. Hier schützen Safer Sex bzw. Safer Use.

Dental Dams sind in unserem Online-Shop www.shop.aids.ch erhältlich.

Frauen und Männer, die Drogen konsumieren: Safer Use und Safer Sex

  • Immer nur eigenes Spritzbesteck und Zubehör (Löffel, Filter, Watte, Wasser) verwenden – und zwar nur bei sich selbst.
  • Auch Sniff-Utensilien nicht teilen (wegen Hepatitis C).
Drogenkonsumierende und ihre Partner bzw. Partnerinnen infizieren sich nicht nur beim Tausch von Spritz- oder Sniffutensilien! Ebenso wichtig ist, an den Schutz beim Sex zu denken (Safer Sex).

Übertragung von der Mutter auf das Kind: Medizinische Massnahmen

Weiss eine schwangere Frau, dass sie eine HIV-Infektion hat, dann kann eine Übertragung auf ihr Kind mit geeigneten medizinischen Massnahmen wirkungsvoll vermieden werden (vgl. Schwangerschaft). Besteht Unsicherheit über frühere HIV-Infektionsrisiken, ist ein HIV-Test (vgl. Testverfahren) empfehlenswert.

Ursachen für das Risikoverhalten

In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass Menschen sich aus den verschiedensten Gründen nicht schützen oder nicht schützen können.

Eine Studie in der Schweiz hat drei Gründe ermittelt, warum sich Menschen in eine Risikosituation
begeben:
  • Auch nach 20 Jahren Love-Live-/Stop Aids-Kampagnen gibt es (vornehmlich heterosexuell orientierte) Personen, die nicht in der Lage sind, das Risiko einer HIV-Infektion realistisch einzuschätzen. Sie glauben ganz einfach, dass sie sich nicht infizieren, weil sie nicht schwul, nicht krank, nicht drogensüchtig – und andere Gründe mehr – sind. Sie halten die Möglichkeit sich anzustecken von vornherein für unwahrscheinlich oder gar für inexistent.
  • Eine weitere Gruppe von Personen glaubt, sich mit dem «gesunden Menschenverstand» schützen zu können. Sie urteilen aufgrund des «seriösen» Aussehens des Partners, der Partnerin, von Fragen wie: «Hast du schon einmal einen Test gemacht und bist du negativ?», oder aufgrund des sozialen Kontaktes («anständiges» Umfeld) und glauben so das Risiko, respektive das Gegenüber richtig einschätzen zu können.
  • Die dritte Gruppe weiss eigentlich wie sich sich schützen könnte. Aber je nach Situation kann sie den Schutz nicht durchsetzen. Gründe dafür können sein: Drogenkonsum, Verliebtheit, starke sexuelle Erregung.

Wenn das Kondom gerissen ist oder vergessen ging

Der eindringende Partner kann in einem solchen Fall seinen Penis waschen und zu urinieren versuchen, um Reste von Körperflüssigkeiten des Partners/der Partnerin ab- und auszuspülen. Bisher ist nicht geklärt, ob für die aufnehmende Person eine Darm- oder Scheidenspülung sinnvoll oder im Gegenteil gefährlich ist.
Ist beim Oralverkehr Sperma oder Menstruationsblut in den Mund gelangt: ausspucken und den Mund mit lauwarmem Wasser mehrmals spülen.
Mit diesen Sofort-Massnahmen nach Pannen kann eine Übertragung grundsätzlich nicht verhindert werden; man erhofft sich jedoch eine Reduktion des Infektionsrisikos.

Wenn nach Risikosituationen (ungeschützter eindringender Verkehr, Oralverkehr mit Samenerguss oder während der Periode) fest steht oder sehr wahrscheinlich ist, dass eine der beteiligten Personen HIV-positiv ist, ist möglicherweise auch eine Post-Expositions-Prophylaxe*  - kurz HIV-PEP  - sinnvoll. Das ist eine mehrwöchige Therapie der HIV-negativen Person mit Medikamenten, die gegen HIV gerichtet sind. Die HIV-PEP kann wahrscheinlich einen Teil der möglichen HIV-Infektionen verhindern, ist aber keine garantiert wirksame Massnahme.
Eine HIV-PEP ist auch nach Nadelstichverletzungen im Krankenhaus angezeigt.

*post = nach, Exposition = hier: Kontakt mit HIV, Prophylaxe = Infektionsvermeidung

Der mögliche Nutzen einer HIV-PEP hängt wesentlich davon ab, wie schnell sie nach einer Risikosituation begonnen wird. Je schneller, desto besser – mehr als 72 Stunden nach der Risikosituation wird sie nicht mehr als sinnvoll erachtet.

Bei einer HIV-PEP treten unter Umständen auch bedeutsame Nebenwirkungen auf; Spätfolgen sind jedoch eher nicht zu erwarten.

Die Post-Expositions-Prophylaxe ist also kein «Kondom für danach», sondern eine Behandlungsmöglichkeit für Ausnahmesituationen. Ob eine HIV-PEP eingesetzt werden sollte, lässt sich nur mit einem erfahrenen Arzt bzw. einer erfahrenen Ärztin, z.B. bei einem der HIV-Behandlungszentren oder beim Notfalldienst eines grösseren Krankenhauses, klären!

Gibt es eine Impfung gegen HIV?

Gegen HIV werden gegenwärtig Impfstoffe erforscht. Sie zu entwickeln ist jedoch schwierig, weil das HI-Virus sich ständig verändert. Zwar gibt es bereits Impfstoffe in der Entwicklungs- und Erprobungsphase, doch wird es bestenfalls noch Jahre dauern, bis erste Produkte in grösserem Umfang eingesetzt werden können.

Wie wirkungsvoll sie sein werden, ist noch völlig ungewiss. Vorbeugen ist deshalb nach wie vor das einzige Mittel gegen eine HIV-Infektion.