Risiko und Schutz
- Übertragungswege
- Ansteckungsrisiko bei einem einmaligen ungeschützten Geschlechtsverkehr
- Ansteckungsrisiko in einer festen Partnerschaft /Ehe
- Übertragungsrisiko bei Oralsex
- Wie lauten die weiteren Regeln des Safer Sex?
- Haben Frauen ein höheres Ansteckungsrisiko als Männer?
- Besteht bei ungeschütztem eindringendem Verkehr ein HIV-Risiko, wenn es nicht zum Höhepunkt kommt?
- Ist Küssen und Zungenküssen gefährlich?
- Was ist sonst noch ungefährlich?
- Kann ich unmittelbar nach einer Risikosituation noch etwas unternehmen, um die Gefahr einer HIV-Infektion zu verringern?
- Ich habe Angst, dass ich mich angesteckt habe. Was soll ich tun?
- Gibt es eine Impfung gegen HIV?
Übertragungswege
- Sexuelle Übertragung Mit Abstand am häufigsten, nämlich in fast 80% der Fälle, wird das HI-Virus sexuell übertragen. Ein Risiko bieten
- ungeschützter Vaginalverkehr (beide Beteiligten)
- ungeschützter Analverkehr (beide Beteiligten)
- Oralverkehr, wenn Sperma oder Menstruationsblut in den Mund gelangt
MASSNAHME: Regeln des Safer Sex beachten
Bei eindringendem Verkehr: immer ein Präservativ verwenden.
Bei Oralverkehr: kein Sperma in den Mund, kein Sperma schlucken / kein Menstruationsblut in den Mund, kein Menstruationsblut schlucken. - Übertragung beim Drogenkonsum
Das HI-Virus kann zudem durch den gemeinsamen Gebrauch von Spritzbesteck bei intravenös Drogen Konsumierenden übertragen werden.
MASSNAHME: Immer sauberes Spritzbesteck verwenden.
(Mit Blick auch auf weitere übertragbare Erreger wie das Hepatitis-C-Virus heisst das: Eigene, neue Spritze/Nadel für jeden Schuss. Aber auch: Eigenen Filter! Eigene Watte! Eigenen Löffel! Eigenes Wasser!) - Übertragung von der Mutter auf das Kind
Eine Übertragung von der HIV-positiven Mutter auf ihr Kind während der Schwangerschaft, der Geburt oder beim Stillen ist möglich. Mit geeigneten Massnahmen kann dieses Risiko aber heute praktisch auf Null gesenkt werden
MASSNAHME: Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf das Thema an, wenn sie oder er es nicht von sich aus tut. - Eine Übertragung über Blut oder Blutprodukte im medizinischen Umfeld ist in der Schweiz heute kaum mehr zu befürchten. Blut und Blutprodukte unterliegen strengsten Sicherheitsbestimmungen.
Ansteckungsrisiko bei einem einmaligen ungeschützten Geschlechtsverkehr
Ja. Schon bei einem einmaligen ungeschützten Verkehr mit einer HIV-positiven Partnerin, einem HIV-positiven Partner ist eine Ansteckung grundsätzlich möglich. Je öfter dies vorkommt, umso mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Wenn Sie ein Infektionsrisiko vermeiden wollen, müssen Sie deshalb bei jedem Geschlechtsverkehr mit einer neuen Sexualpartnerin, einem neuen Sexualpartner ein Präservativ benützen bzw. darauf bestehen, dass Ihr Partner eines benützt.In einer festen Partnerschaft ist es wichtig, mit dem Partner, der Partnerin über ungeschützte Gelegenheitskontakte oder ein allfälliges Kondomversagen in einer solchen Situation zu sprechen. Wenn Sie es unterlassen und weiterhin ungeschützt mit ihm bzw. mit ihr schlafen, gefährden Sie Ihren Partner, Ihre Partnerin. Auch wenn ein offenes Gespräch unangenehm ist und zu einer Krise in der Beziehung führen kann, ist es deshalb notwendig.
Ansteckungsrisiko in einer festen Partnerschaft /Ehe
Wenn Sie vermuten, dass Ihr Partner, Ihre Partnerin ungeschützten Kontakt mit anderen hat, dann sprechen Sie ihn bzw. sie darauf an. Trauen Sie Ihren Ahnungen, nehmen Sie sich und Ihre Gesundheit ernst. Besprechen Sie gegebenenfalls miteinander, wie Sie mit der Situation umgehen und wie Sie sich vor einer HIV-Infektion schützen wollen. Wenn Sie weiterhin miteinander Verkehr haben, ist Safer Sex angezeigt, bis ein negativer HIV-Test drei Monate nach der letzten Risikosituation zeigt, dass bei Ihrem Partner, Ihrer Partnerin keine HIV-Infektion vorliegt. Unterstützung erhalten Sie bei Ihrer regionalen Aids-Hilfe.Und bei eigenen Seitensprüngen: Halten Sie sich konsequent an die Safer-Sex-Regeln.
Auf Safer Sex verzichten können Sie in einer Ehe oder festen Partnerschaft, wenn beide zu Beginn der Partnerschaft nicht infiziert waren und Sie sich entweder absolut treu sind oder beide bei Aussenkontakten immer die Safer-Sex-Regeln beherzigen.
Beachten Sie gegebenenfalls auch das HIV-Übertragungsrisiko durch intravenösen Drogengebrauch.
Übertragungsrisiko bei Oralsex
- Wie lauten die Safer-Sex-Regeln beim Oralsex (Befriedigung mit dem Mund)?
Kein Sperma in den Mund, kein Sperma schlucken.
Kein Menstruationsblut in den Mund, kein Menstruationsblut schlucken. - Besteht für mich als Frau ein Übertragungsrisiko, wenn ich mich oral befriedigen lasse?
Für Sie als Frau besteht in keinem Fall ein Übertragungsrisiko. Falls Sie HIV-positiv sind, besteht für Ihren Partner oder Ihre Partnerin während der Menstruationszeit ein gewisses Risiko. Eine Infektion über Menstruationsblut, das in den Mund des Partners oder der Partnerin gelangt, ist möglich. Scheidensekrete hingegen stellen bei oralem Verkehr nach heutigem Wissensstand kein Infektionsrisiko dar.
- Besteht für mich als Mann ein Übertragungsrisiko, wenn ich mich oral befriedigen lasse?
Es besteht für Sie als Mann in keinem Fall ein Risiko.
Falls Sie HIV-positiv sind, besteht für Ihre Partnerin oder Ihren Partner ein reales Risiko, wenn Sie in ihm/in ihr zum Höhepunkt kommen. Es ist wichtig, dass kein Sperma in den Mund Ihrer Partnerin/Ihres Partners gelangt. Der so genannte Lusttropfen vor dem Höhepunkt stellt bei oralem Verkehr nach heutigem Wissensstand kein Risiko dar. Vielleicht lohnt es sich, vor dem Verkehr mit der Partnerin/dem Partner ein klares Zeichen zu verabreden. - Besteht für mich ein Übertragungsrisiko, wenn ich einen Mann oral befriedige?
Es ist wichtig, dass kein Sperma in Ihren Mund gelangt und Sie kein Sperma schlucken. Der so genannte Lusttropfen vor dem Höhepunkt stellt bei oralem Verkehr nach heutigem Wissensstand kein Risiko dar.
Es lohnt sich, vor dem Verkehr den Partner darauf hinzuweisen, dass er sich vor dem Höhepunkt zurückzieht oder Ihnen ein klares Zeichen gibt. Sollte er trotz allem einmal in Ihnen zum Höhepunkt kommen, spucken Sie das Sperma aus und spülen Sie den Mund einige Male mit lauwarmem Wasser. Schlucken Sie das Sperma nicht hinunter!
Auch wenn Sie HIV-positiv sind, besteht für Ihren Partner kein Übertragungsrisiko.
- Besteht für mich ein Übertragungsrisiko, wenn ich eine Frau oral befriedige?
Es besteht für Sie während der Menstruationszeit der Partnerin ein gewisses Risiko. Eine Infektion über Menstruationsblut, das in Ihren Mund gelangt, ist möglich. Scheidensekrete stellen bei oralem Verkehr nach heutigem Wissensstand kein Infektionsrisiko dar. Auch wenn Sie HIV-positiv sind, besteht für Ihre Partnerin kein Übertragungsrisiko.
Wie lauten die weiteren Regeln des Safer Sex?
Zusätzlich zu den beiden Regeln zum Oralverkehr (s.o.) gibt es nur noch eine weitere: Bei ungeschütztem eindringenden Geschlechtsverkehr – ob Vaginalverkehr oder Analverkehr – besteht für beide Partner/-innen ein HIV-Übertragungsrisiko. Deshalb: Immer ein Präservativ (oder Femidom) verwenden.Nur wasserlösliche oder silikonbasierte Gleitcrèmes verwenden; fetthaltige greifen Latex an.
Auf die richtige Kondomgrösse achten. Kondome in der richtigen Grösse finden Sie unter www.mysize.ch
Ausnahme: In einer treuen Partnerschaft, bei der beide Personen sicher negativ sind, kann auf die Verwendung von Präservativen verzichtet werden.
Coitus interruptus (= "aufpassen" bzw. "sich rechtzeitig zurückziehen") bietet keinen genügenden Schutz.
Sexuell aktiven Menschen mit gelegentlichem oder häufigem Wechsel des Partners, der Partnerin empfehlen wir, sich zusätzlich gegen Hepatitis B impfen zu lassen.
Haben Frauen ein höheres Ansteckungsrisiko als Männer?
Statistisch gesehen haben Frauen weltweit ein höheres Risiko als Männer, sich beim ungeschützten vaginalen Geschlechtsverkehr mit HIV anzustecken. In einer konkreten Situation ist das biologische Geschlecht «Frau» jedoch nicht ein ausschlaggebender Risikofaktor. Umstände, welche mit einem wesentlich höheren Infektionsrisiko einhergehen – und zwar für beide Geschlechter – sind:- andere sexuell übertragbare Krankheiten (diese können auch symptomlos sein und daher unentdeckt bleiben)
- Viruslast, d.h. fortgeschrittene, unbehandelte HIV-Infektion des Partners/der Partnerin bzw. Primoinfektion
- Analverkehr
- Anzahl Sexualkontakte
- mit Schleimhautdefekten einhergehende Erkrankungen der Sexualorgane und
- für Frauen: das Tragen einer Spirale.
Deshalb: Bestehen Sie auf der Verwendung von Präservativen. Es kann hilfreich sein, immer selber welche dabei zu haben. Auch das Femidom schützt Sie vor einer HIV-Infektion.
Besteht bei ungeschütztem eindringendem Verkehr ein HIV-Risiko, wenn es nicht zum Höhepunkt kommt?
Ja, bei ungeschütztem eindringenden Verkehr besteht auch ohne Samenerguss ein reales Übertragungsrisiko. Ganz offensichtlich können nicht nur Sperma und Vaginalflüssigkeiten HIV übertragen. Wahrscheinlich reicht nur schon der enge Kontakt von Schleimhäuten.Ist Küssen und Zungenküssen gefährlich?
Das HI-Virus wird nicht übertragen durch Küssen, auch nicht durch Zungenküsse. Kein Übertragungsrisiko besteht beim Streicheln, Kuscheln und bei Petting (gegenseitige Befriedigung mit der Hand).Das HI-Virus wird auch nicht auf öffentlichen Toiletten übertragen oder durch den gemeinsamen Gebrauch von Haushaltgegenständen (Tassen, Besteck ...).
Was ist sonst noch ungefährlich?
Das HI-Virus wird nicht auf öffentlichen Toiletten, in Saunas oder Hallenbädern und nicht durch Türklinken und Telefonhörer oder durch den gemeinsamen Gebrauch von Wäsche und Geschirr übertragen.HIV wird nicht durch Insektenstiche oder Hundebisse oder Haustiere übertragen.HIV wird weder beim Arzt noch beim Zahnarzt oder im Spital übertragen. Kein Risiko besteht beim Coiffeur, bei Manicure und Pedicure. Auch Piercing und Tattooing ist in Bezug auf eine HIV-Infektion unbedenklich, solange sich die entsprechenden Personen an die Hygienevorschriften ihres Berufsstandes halten. Kein HIV-Übertragungsrisiko besteht beim Husten und Niesen. Kein Übertragungsrisiko besteht beim Händeschütteln, Umarmen, Streicheln und Kuscheln mit einer HIV-positiven Person.Das HI-Virus wird nicht übertragen durch Küssen, auch nicht durch Zungenküsse. Petting (gegenseitige Befriedigung mit der Hand) ist unbedenklich; Haarrisse bei den Fingernägeln und ähnlich kleine oder bereits verheilte Wunden stellen keine Gefahr dar. Das HI-Virus wird nicht über Urin oder Kot übertragen. Hier ist allerdings das Risiko der Übertragung anderer Krankheitserreger wie von Hepatitis-A-Viren relativ hoch.HIV - Behandlungszentren
Basel:
061 265 50 05
Bern:
031 632 25 25
Zürich:
044 255 33 22
St. Gallen:
071 494 10 28
Lugano:
091 805 60 21
Lausanne:
021 314 10 22
Genf:
022 372 96 17
Kann ich unmittelbar nach einer Risikosituation noch etwas unternehmen, um die Gefahr einer HIV-Infektion zu verringern?
Die ersten Wochen nach einer möglichen Übertragung werden als "immunologisches" bzw. "serologisches Fenster" bezeichnet. In dieser Zeit kann eine Übertragung mit medizinischen Verfahren weder nachgewiesen noch ausgeschlossen werden. Dieses Fenster ist je nach Person unterschiedlich gross. Bei gewissen Personen kann eine Infektionen nach zwei Wochen nachgewiesen werden, bei anderen dauert es bis zur Nachweisbarkeit aber länger. Erst ein negatives Ergebnis nach drei Monaten ergibt die Gewissheit, dass keine Infektion erfolgt ist.Nach Situationen mit eindeutig hohem Übertragungsrisiko gibt es nur die Möglichkeit, spätestens innerhalb von 72 Stunden nach der Risikosituation eines der nebenstehenden HIV-Behandlungszentren der grossen Universitätsspitäler aufzusuchen.
Dort wird man aufgrund der Situationsbeschreibung das Risiko abschätzen und eventuell eine so genannte HIV-Postexpositions-Prophylaxe (HIV-PEP oder PEP) vorschlagen. Dies ist eine vorbeugende mehrwöchige medikamentöse Behandlung mit hochwirksamen Substanzen, die das Risiko einer allfälligen Übertragung wahrscheinlich deutlich senken – aber nicht ausschliessen – kann. Ihr Erfolg ist umso besser, je schneller nach der Risikosituation mit ihr begonnen werden kann.
Eine HIV-PEP kann in folgenden Situationen sinnvoll sein:
1. Die Kontaktperson ist sicher HIV-infiziert; sie ist unbehandelt oder unter einer unvollständig wirksamen antiretroviralen Behandlung und
- es kommt zu ungeschütztem vaginalen oder analen Geschlechtsverkehr
- es kommt zu ungeschütztem oralen Geschlechtsverkehr mit Ejakulation des HIV-infizierten Partners in den Mund
- es wird gebrauchtes Injektionsmaterial einer HIV-infizierten Person verwendet
2. Die potentielle Exposition ereignet sich im Rahmen einer Vergewaltigung
In allen anderen Fällen – d.h. wenn nicht feststeht, dass die Kontaktperson HIV-positiv ist und sie auch nicht zu einer Gruppe gehört bzw. aus einer Region kommt, in der HIV weit verbreitet ist – wird von einer HIV-PEP abgeraten.
Ich habe Angst, dass ich mich angesteckt habe. Was soll ich tun?
Lassen Sie sich nicht von der Angst lähmen sondern informieren Sie sich. In einem Gespräch mit einer regionalen Aids-Hilfe können Sie abklären, ob tatsächlich ein Ansteckungsrisiko vorliegt. Lassen Sie sich dort beraten, ob ein HIV-Test sinnvoll ist. Sollten Sie sich selbst zu einem HIV-Test entscheiden oder sollte Ihnen ein Arzt oder eine Ärztin einen Test vorschlagen, informieren Sie sich vorher über die verschiedenen Möglichkeiten und Aspekte des Tests (siehe auch HIV-Test). Auch in diesem Falle beraten Sie die regionalen Aids-Hilfen kompetent.Gibt es eine Impfung gegen HIV?
Trotz regelmässig auftauchender Sensationsmeldungen in den Medien ist bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das HI-Virus kein Durchbruch in Sicht.
Natürlich wurden und werden immer wieder Impfstoffe erforscht. Aber erstens befinden sich diese Studien in frühen Phasen und zweitens wird heute davon ausgegangen, dass von den heute erprobten Wirkstoffen im besten Fall eine teilweise Schutzwirkung gegen die HIV-Infektion zu erwarten ist (das Erreichen einer Schutzwirkung zwischen 40 und 60% wäre bereits ein bedeutender Erfolg). Würde in der Erprobung dieser Impfstoffe ein Durchbruch gelingen (und das ist keineswegs sicher), würde es dennoch mindestens sechs bis acht Jahre dauern, bis ein wirksamer Impfstoff im Ausland und in der Schweiz zugelassen würde und erhältlich wäre. Dies vor allem deshalb, weil jedes neue Medikament nebst der Entwicklungs- und Erprobungsphase noch umfangreiche Tests bestehen muss, damit auch seine Verträglichkeit und Anwendungssicherheit gewährleistet ist. Und um die Wirksamkeit zu erhärten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist deshalb nach wie vor vollkommen ungewiss, wann auch nur mit einer mindestens teilweise wirksamen Impfung gerechnet werden kann. Die Aids-Hilfe Schweiz verfolgt diese Forschung mit grosser Aufmerksamkeit und wird über wichtige Entwicklungsschritte sofort informieren.
Bis auf weiteres bleibt Safer Sex jedoch das einzig sichere Mittel gegen eine HIV-Infektion.


