Muss die Grundversicherung komplementär- medizinische Behandlungen übernehmen?

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Frau P.T.

Vor Kurzem war ich bei einem Arzt, der mir anthroposophische Arzneimittel verschrieben hat. Diese helfen mir sehr gut, mit den Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie umzugehen. Nun habe ich im Internet gelesen, dass komplementärmedizinische Behandlungen und Medikamente von der Grundversicherung nur noch bis Ende 2017 vergütet werden. Ist dies korrekt? Und wenn ja, gibt es eine Möglichkeit für mich, über den Abschluss einer Zusatzversicherung zu einer Kostenübernahme zu gelangen?

Sonnenhut (Echinacea pallida) ©iStock/nito100

Antwort von Dr. iur. Caroline Suter

Behandlungen und Arzneimittel, die wissenschaftlich nicht der Schulmedizin zugeordnet werden können, werden unter dem Begriff Komplementär- oder Alternativmedizin zusammengefasst. Seit dem 1. Januar 2012 gehören folgende Methoden zum Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung:

  • Anthroposophische Medizin 
    Sie lehnt sich an die Lehre Rudolf Steiners an; hierzu gehört etwa das Mistelpräparat Iscador als Ergänzung zur Krebsbehandlung.
  • Traditionelle chinesische Medizin (TCM) 
    Sie stützt sich auf die traditionelle chinesische Erfahrungsmedizin. Zu den therapeutischen Verfahren der chinesischen Medizin zählen vor allem die Chinesische Arzneimitteltherapie und die Akupunktur.
  • Homöopathie 
    Sie basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip: Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden. Ein Mittel, das eine Krankheit hervorrufen kann, wird zur Heilung derselben Krankheit eingesetzt.
  • Phytotherapie 
    Sie gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist auf allen Kontinenten und in allen Kulturen beheimatet. Grundlage der Phytotherapie ist die Heilpflanzenkunde.

Die Leistungen werden dann vergütet, wenn die Behandlung von einem schulmedizinisch ausgebildeten Arzt erbracht wird, der einen Fähigkeitsausweis der FMH in der entsprechenden Methode hat, und wenn das Arzneimittel auf der Spezialitätenliste steht. Diese kann unter www.spezialitaetenliste.ch   eingesehen werden.
Vorerst wurden diese alternativen Behandlungsmethoden nur bis Ende 2017 in die Grundversicherung aufgenommen.

Im Frühjahr 2016 entschied der Bundesrat jedoch, diese vier komplementärmedizinischen Methoden auf den 1. Januar 2018 dauerhaft in die Grundversicherung aufzunehmen.

Zu beachten gilt, dass die meisten komplementärmedizinischen Behandlungen in der Schweiz durch nichtärztliche Therapeuten erfolgen. Solche Behandlungen können nicht über die Grundversicherung abgerechnet werden. Es gibt Zusatzversicherungen, die solche Behandlungen übernehmen. Da es sich dabei jedoch um freiwillige Privatversicherungen handelt, werden Menschen mit vorbestehenden Krankheiten oder in fortgeschrittenem Alter leider nicht aufgenommen.