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Archiv Medienmitteilungen 2008

 

Medienarchiv

Medienmitteilungen 2007

Welt-Aids-Tag 2008 – Ein Zeichen setzen – gegen Diskriminierung!

Die Aids-HilfeSchweiz fordert zum Engagement gegen die Diskriminierung HIV-positiver Menschen auf.



Zürich, 27. November 2008. Zum diesjährigen Welt-Aids-Tag lanciert die Aids-Hilfe Schweiz einen Aufruf zur Solidarität mit HIV-positiven Menschen in der Schweiz. Denn praktisch täglich erleben diese Ablehnung, Ausgrenzung, Stigmatisierung und Dis-kriminierung. Negative Reaktionen kommen nicht nur von anonymen, unbekannten Personen, sondern  von Arbeitgebern, Arbeitskollegen, Freunden und sogar aus dem engsten Familienkreis. Vielerlei Gründe führen zur Ausgrenzung: Unwissen über HIV, bewusste oder unbewusste Angst vor einer Ansteckung, Vorurteile gegenüber sogenannten „Randgruppen“ (z.B. Schwulen), Schuldzuweisungen an die HIV-Positiven, Egoismus oder mangelnde Solidarität mit den Schwächeren in unserer Gesellschaft.  Egal was dahinter stecken, eines ist sicher: Die Gesellschaft muss sich im Kampf gegen die Diskriminierung von HIV-positiven Menschen engagieren.


Diskriminierungen und Ablehnung – Vom Kindergarten bis zum Altersheim

Die Ausgrenzung kennt keine Altersgrenze. Schon die Kleinsten sind betroffen. Und zwar nicht nur, wenn sie selbst HIV-positiv sind und der Status bekannt wird. Nein; es reicht schon, wenn bekannt wird, dass Vater oder Mutter der Kinder mit dem Virus leben. Werden diese Jugendlichen später in einem Sportklub aktiv, verschweigen sie aus Furcht vor einer Rückweisung oder gar dem Ausschluss aus einem aktiven Team, häufig ihre Infektion. HIV im Sport ist ein absolutes Tabuthema. Sei es im Training, im Wettkampf oder in der „dritten Halbzeit“.

Menschen mit HIV oder Aids werden im Arbeitsalltag nach über 20 Jahren HIV/Aids immer noch mit Problemen konfrontiert: So sind zum Beispiel Diskriminierungen, Datenschutzverletzungen und Mobbing an der Tagesordnung. In der Regel können HIV-Positive auch keine Lebensversicherungen abschliessen, obwohl viele von ihnen unter Therapie eine normale Lebenserwartung haben. Ausgeschlossen ist auch der Abschluss einer Zusatz-Krankenversicherung. Und Probleme mit der betrieblichen Taggeldversicherung kommen häufig vor

Die Lebenserwartung von HIV-positiven Menschen nimmt laufend zu. Somit werden die Be-troffenen auch immer älter. Aber können sie den dritten Lebensabschnitt geniessen? Wenn sie ihren HIV-Status offen legen, ist dies oft nicht der Fall. Und Altersheime sehen sich mit der Frage konfrontiert, wie sie mit HIV-positiven Pensionärinnen und Pensionären umgehen. In der Pflege, aber auch im Heimalltag.


HIV nicht mit dem Strafrecht bekämpfen

HIV kann nicht mit dem Strafrecht bekämpft werden, sondern nur mit einer Prävention, die an die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen appelliert, egal ob die Person HIV-positiv oder – negativ ist. Jede/Jeder trägt Verantwortung, sich und den anderen vor HIV zu schützen. Und doch spielt die Schweiz eine führende Rolle in der Bestrafung von HIV-positiven Men-schen, und neuerdings sogar von Menschen, die noch nicht einmal von ihrer Infektion wuss-ten. Dies nimmt die Aids-Hilfe Schweiz mit tiefer Besorgnis zur Kenntnis.


HIV und Aids in der Schweiz

Zurzeit leben rund 25’000 Menschen mit HIV und Aids in unserem Land. Dank den moder-nen Therapien sind sie nicht mehr unmittelbar mit dem Sterben konfrontiert. Ihr Immunsys-tem erholt sich und viele haben eine normale Lebenserwartung. Trotz dieses medizinischen Fortschritts sterben aber auch heute noch 6 Menschen pro Monat an Aids. Und jeden Tag kommen zwei Personen mit der Diagnose HIV positiv neu dazu.

Eine Entwarnung ist fehl am Platz, eine Normalisierung noch in weiter Ferne. Das Virus kann jeden treffen: Frauen und Männer, Heterosexuelle und Schwule, Schweizer und Ausländer, Junge und Alte. 

Aktionen und Anlässe in der ganzen Schweiz

Mit verschiedenen Aktionen in vielen Kantonen wird ab der letzten Novemberwoche der Welt-Aids-Tag vom 1. Dezember begangen. Viele Veranstaltungen der regionalen Aids-Hilfen thematisieren die Problematik von HIV/Aids in der Öffentlichkeit und stellen nationale und regionale Angebote vor. Eine Übersicht finden Sie auf www.aids.ch/d/ahs/weltaidstag.php

Weitere Informationen:

www.aids.ch/d/ahs/weltaidstag.php oder telefonisch durch

Thomas Lyssy
Mediensprecher der Aids-Hilfe Schweiz
Telefon 044 447 11 21

HIV-Positive: Dienstuntauglich – Aids-Hilfe Schweiz empört über Entscheid des VBS

Zürich,11. November 2008. Die Aids-Hilfe Schweiz ist empört über die neuen Richtlinien des VBS, HIV-positive Dienstpflichtige für dienstuntauglich zu erklären. Dies ohne individuelle medizinische Untersuchung. Laut Sonntagszeitung begründet das VBS seine neue Praxis damit, dass der Aufwand für eine „Sonderbehandlung“ zu gross sei. Das ist für die Aids-Hilfe Schweiz nicht nachvollziehbar. Dank den modernen Therapien ist HIV zu einer meist behandelbaren chronischen Erkrankung geworden. Und trotzdem behandelt das VBS HIV-Positive immer noch wie Aussätzige.

Im neuen Reglement des VBS heisst es wörtlich: „Stellungspflichtige und Rekruten mit positiver HIV-Serologie unter Therapie sind grundsätzlich dienstuntauglich. Bei Angehörigen der Armee mit abgeschlossener Grundbildung muss die Situation etwas differenzierter beurteilt werden. Die Beurteilung hängt vom medizinischen Verlauf, von der Therapie, der militärischen Funktion und der Einstellung des Angehörigen der Armee ab.“ Wie der HIV-Status festgestellt wird, hält das Reglement nicht fest. Die Aids-Hilfe Schweiz erinnert daran, dass keine Tests ohne Einwilligung des Betroffenen durchgeführt werden dürfen und dass es keine Informationspflicht über HIV gibt. Ausser, wenn die Arbeits-, resp. in diesem Falle die Dienstfähigkeit eingeschränkt wäre. HIV-positive Menschen in Therapie sind in vielen Fällen genauso leistungs- und dienstfähig wie nicht infizierte Menschen. Die Haltung des VBS ist diskriminierend und trägt weiter zur Stigmatisierung der von HIV betroffenen Menschen in der Schweiz bei.

Die Aids-Hilfe Schweiz fordert das VBS auf sein Reglement nochmals zu überdenken und individuelle Lösungen anzustreben. Die Aids-Hilfe Schweiz ist den Verantwortlichen des VBS gerne bei der Erarbeitung behilflich.

Advocacy, also die Interessenvertretung für Menschen mit HIV, ist eines der Kerngeschäfte der Aids-Hilfe Schweiz. Die Aids-Hilfe Schweiz fördert die Solidarität mit HIV-positiven Menschen und setzt sich systematisch für den Abbau von Diskriminierung ein, wo immer sie geschieht. Menschen mit HIV sollen in allen Lebensbereichen die gleichen Rechte, aber auch die gleichen Pflichten und Verantwortung wie HIV-negative Menschen haben.

Über die Aids-Hilfe Schweiz

Die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) ist der Dachverband der 21 kantonalen und regionalen Aids-Hilfen sowie weiterer 38 im HIV/Aids-Bereich tätigen oder engagierten Organisationen.

Sie plant, koordiniert und realisiert Präventionsprojekte in den Bereichen HIV/Aids und weiterer sexuell übertragbarer Krankheiten (STI), besonders für Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko. Die Förderung einer selbstbestimmten, respektvollen Sexualität sowie rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, welche die sexuelle Gesundheit begünstigen, sind ihr ein Anliegen.  Sie engagiert sich für Menschen mit HIV/Aids, ihre Bedürfnisse, Rechte und Gleichstellung in der Gesellschaft.

Weitere Informationen: www.aids.ch

4. Schweizer Aids-Forum Zürich, 6. / 7. November 2008.

Richtungswechsel in der HIV-Arbeit? – Fachleute und Betroffene im Gespräch.


Zürich, 7. November 2008. Mit einem Ausblick auf die Situation im Jahre 2018 schloss  Daniel Bruttin, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz, das 4. Schweizer Aids-Forum. Er wies darauf hin, dass sich das Spannungsfeld auch in Zukunft zwischen „Krankheiten verhindern“ und „Gesundheit fördern“ bewegen werde. Und er machte klar, dass nur die Perspektive der Gesundheitsförderung für den Bereich HIV/Aids und sexuelle Gesundheit eine Chance darstellt. Das 4. Aids-Forum wurde von der Aids-Hilfe Schweiz in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Kommission für Aids-Fragen EKAF, dem Bundesamt für Gesundheit BAG und LHIVE, der nationalen Organisation der Menschen mit HIV/Aids organisiert.

Rund 150 Fachleute, Betroffene und weitere interessierte Personen aus der ganzen Schweiz fanden sich am Donnerstag und Freitag im Zürcher Volkshaus ein, um über die Zukunft der Aids-Arbeit in der Schweiz zu diskutieren. In den drei Teilen „Neue Ausgangslage“, „Menschen mit HIV: Bedürfnisorientierte Angebote – Neue Allianzen“ und „Angebotsstrukturen auf dem Prüfstand“ diskutierten Fachleute und Betroffene über die Zukunftsausrichtung der HIV-Arbeit in der Schweiz. Die Themenkreise drehten sich unter anderem um das Bild der HIV-Infektion heute, die Bedürfnisse der Menschen mit HIV in einer veränderten Ausgangslage sowie die Angebotsstrukturen für die verschiedenen Präventions-Zielgruppen. All dies immer unter Berücksichtigung einer vermeintlichen oder wirklichen „Normalisierung“ rund um HIV und Aids in der Schweiz.

Einigkeit herrschte darüber, dass die Anliegen und Bedürfnisse der Menschen mit HIV optimal nur in enger Zusammenarbeit und Koordination zwischen staatlichen Stellen, ÄrztInnen, Aids-Hilfen und Betroffenenorganisationen zu befriedigen sein werden. Eine Vernetzung mit anderen Patientenorganisationen ist wichtig, um politische Anliegen besser vertreten zu können.

In der Schweiz leben rund 25'000 HIV positive Menschen. Jeden Tag erhalten zwei Personen neu die Diagnose HIV-positiv, jeden Monat sterben sechs Menschen an den Folgen der Infektion. Eine Entwarnung ist fehl am Platz, eine Normalisierung noch in weiter Ferne. Beunruhigend ist einerseits, dass Menschen mit HIV nach wie vor in verschiedener Hinsicht diskriminiert werden und dass irrationale Ängste vor Infizierten verbreitet sind. Anderseits zeigen die epidemiologischen Zahlen der Schweiz, dass die Anzahl Neudiagnosen von HIV insbesondere bei Männern, die Sex mit Männern haben, seit mehreren Jahren wieder klar ansteigen. Gleichwohl gilt auch heute: Das Virus kann jeden treffen! Frauen und Männer, Heterosexuelle und Homosexuelle, SchweizerInnen und AusländerInnen, Junge und Alte. Auch 25 Jahre nach dem Beginn der Epidemie hat HIV/Aids seine Aktualität nicht verloren.

Die Aids-Hilfe Schweiz sagt ja zur Revision des Betäubungsmittelgesetzes

Zürich, 4. November 2008. Die Aids-Hilfe Schweiz befürwortet die Revision des Betäubungsmittelgesetzes, über die am 30. November abgestimmt wird. Sie macht darauf aufmerksam, dass ihre Ablehnung eine wirksame Bekämpfung von HIV/Aids nachhaltig erschweren würde. Das Risiko einer Neuausbreitung der Infektion ist ohne eine wirksame Betreuung von Heroinabhängigen substanziell.

Die Aids-Hilfe Schweiz unterstützt die Vier-Säulen-Politik des Bundesrates. Diese Politik setzt gleichzeitig auf Prävention und Strafverfolgung. Sie bietet zudem den Abhängigen Zugang zu wirksamen Therapien und schützt sie unter anderem durch den Spritzentausch vor Infektionskrankheiten. Sie hat dazu geführt, die HIV/Aids-Epidemie unter den Drogenabhängigen zu stoppen und die weitere Ausbreitung von HIV und Hepatitis C einzudämmen. Momentan profitieren 1‘300 Frauen und Männer von den staatlichen Heroinabgabeprogrammen. Rund 15‘000 Abhängige sind in verschiedene Methadonprogramme eingeschlossen. Eine Ablehnung der Revision würde das Ende der Heroinabgabe und eine drastische Gefährdung der Finanzierung der Methadonprogramme bedeuten. Die Abhängigen werden wieder in die Verwahrlosung, die Beschaffungskriminalität und die Prostitution abgedrängt. Neuansteckungen mit HIV und Hepatitis C steigen wieder an. Damit sind Risiken für die Allgemeinbevölkerung und erhöhte Gesundheitskosten verbunden.

Deshalb empfiehlt die Aids-Hilfe Schweiz die Revision des Betäubungsmittelgesetzes dringend zur Annahme.


Über die Aids-Hilfe Schweiz
Die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) ist der Dachverband der 21 kantonalen und regionalen Aids-Hilfen sowie weiterer 38 im HIV/Aids-Bereich tätigen oder engagierten Organisationen.

Sie plant, koordiniert und realisiert Präventionsprojekte in den Bereichen HIV/Aids und weiterer sexuell übertragbarer Krankheiten (STI), besonders für Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko. Die Förderung einer selbstbestimmten, respektvollen Sexualität sowie rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, welche die sexuelle Gesundheit begünstigen, sind ihr ein Anliegen.  Sie engagiert sich für Menschen mit HIV/Aids, ihre Bedürfnisse, Rechte und Gleichstellung in der Gesellschaft. Weitere Informationen: www.aids.ch

Prominente setzen ein Zeichen: Gegen Aids, für die Betroffenen.

Neue Kampagne der Aids-Hilfe Schweiz startet nächste Woche.


Zürich, 31. Oktober 2008. Die Aids-Hilfe Schweiz erhält prominente Unterstützung in ihrem Engagement für Menschen mit HIV. Didier Cuche, Stephan Eicher, Marc Forster, Stephanie Glaser und Sandra Studer stehen in der neuen Kampagne für Solidarität mit HIV-Positiven ein. Die Aktion im Vorfeld des Welt-Aids-Tages vom 1. Dezember  macht darauf aufmerksam, dass HIV-positive Menschen in der Schweiz immer noch diskriminiert werden.

Sandra Studer

Didier Cuche

Stephanie Glaser

Stefan Eicher

Marc Forster
„Würden Sie mich noch sehen wollen, wenn ich HIV-positiv wäre?“ fragt Sandra Studer und blickt einem dabei direkt in die Augen. Mit solch persönlich gefärbten Fragen zeigen Schweizer Prominente (neben Sandra Studer auch Didier Cuche, Stephan Eicher, Marc Forster, Stephanie Glaser) ihre Solidarität mit den Betroffenen. Sie machen darauf aufmerksam, dass HIV-positive Menschen in der Schweiz nach wie vor mit grossen Vorurteilen zu kämpfen haben. Die Diskriminierung von Menschen, die mit HIV oder Aids leben, ist auch in der Schweiz immer noch an der Tagesordnung.

Heute ist die Diagnose „HIV-positiv“ dank grosser Fortschritte in der Medizin kein Todesurteil mehr. HIV/Aids ist zu einer chronischen und doch unheilbaren Krankheit geworden, die immer mehr Personen in der Schweiz betrifft. Täglich erhalten zwei Menschen die Nachricht, dass sie HIV-positiv sind. Die Anzahl der Betroffenen nimmt zu. Sie alle müssen lernen, mit dem Virus zu leben. Und das ist nicht einfach: Neben den gesundheitlichen Folgen erleben diese Menschen oft Diskriminierungen, sei es am Arbeitsplatz, in der Familie oder im Freundeskreis.

Die am Montag, 3. November anlaufende Kampagne ist ein Aufruf zur Solidarität mit HIV-positiven Menschen. Zu sehen ist sie in grösseren Schweizer Städten und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie soll auch helfen, die dringend benötigten finanziellen Mittel für die vielfältigen Aufgaben der Aids-Hilfe Schweiz zu beschaffen. Die Spendengelder werden eingesetzt für die Unterstützung und Hilfe von Betroffenen, für die Prävention bei Jugendlichen und für vieles mehr.



Spendenkonto der Aids-Hilfe Schweiz: 30-10900-5

Weitere Informationen:

Thomas Lyssy
Mediensprecher der Aids-Hilfe Schweiz
Telefon 044 447 11 21


Beilage:
Plakatsujets quer   | ZIP 580 KB |
Plakatsujets hoch   | ZIP 816 KB |
TV-Spot | ZIP 12MB |

XVII Internationale Aids-Konferenz in Mexico City – Aids-Hilfe

Mexico-City, 8. August 2008. Zum Ende der Internationalen Aids-Konferenz 2008 zieht die Delegation der Aids-Hilfe Schweiz eine positive Bilanz ihrer Teilnahme. Sie legte die Schwerpunkte auf die Prävention und die Rechte von Menschen mit HIV. Im Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit Aids-Fachleuten und Betroffenen innerhalb und ausserhalb Europas sieht sich die Aids-Hilfe Schweiz in ihrem internationalen Engagement bestätigt. Es braucht dieses Engagement, um Probleme in der Schweiz zu lösen. Aus der Fülle des Programmangebotes widmeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den folgenden Themenkreisen besondere Aufmerksamkeit: „Prävention für Männer, die Sex mit Männern haben“ „Angebote für Sexworkerinnen“ „Strafbarkeit der HIV-Übertragung“, „Diskriminierung HIV-positiver Menschen“ sowie „medizinische und biomedizinische Forschung“.

Von der Medizin zur Politik
Auffallend in den letzten Jahren war die Veränderung der Schwerpunkte der Welt-Aids-Konferenzen von eher bio-medizinischen hin zu politischen Inhalten, Geopolitisch lagen die Schwerpunkte in der 3. Welt, abgesehen von Subsahara-Afrika nahmen Lateinamerika und andere Schwellenländer einen grossen Raum ein. Neben den bekannten Forderungen nach „Access to Treatment“, also dem Zugang zu antiretroviralen Medikamenten auch in den armen Ländern, waren immer mehr Forderungen nach Anti-Diskriminierung zu hören. Eine Problematik, die nach über 20 Jahren HIV auch in der Schweiz virulent ist.

Prävention
Die Prävention hatte in Mexiko einen wichtigen Stellenwert. Im Zentrum standen Fragen, wie stark betroffene und vulnerable Gruppen erreicht werden können. Es ist erkannt und anerkannt worden, dass die Primärprävention insbesondere mit Peer- und Outreach-Ansätzen und Interventionen die auf Verhalten und Verhältnisse abzielen, viel erreicht hat. Neu drehte sich in Mexico auch die Diskussion um den Einsatz von antiretroviralen Medikamenten als präventive Massnahme. Die Aids-Hilfe Schweiz anerkennt den Nutzen der Therapie als Teil von präventiven Massnahmen. Dies aber eher in Ländern mit sehr hoher Prävalenz. Für die Aids-Hilfe Schweiz bleiben zielgruppenspezifische Programme, insbesondere für Gruppen mit hoher Prävalenz und besonderer Vulnerabilität erste Priorität zur Verhinderung weiterer Ansteckungen mit HIV in unserem Land. Vor allem im Bereich MSM (Männer die Sex mit Männern haben) sind weitere Anstrengungen notwendig. Dass die Schweiz mit diesem Problem nicht alleine da steht, zeigten die Präsentationen und Diskussionen am Kongress deutlich. Die Aids-Hilfe Schweiz begrüsst auch Stimmen, die ein stärkeres Zusammengehen von Therapie und Prävention forderten.

Leben mit HIV
Die Strafbarkeit der HIV-Übertragung und damit die Kriminalisierung der HIV-Positiven wurden in neun Symposien und elf  Postern thematisiert und diskutiert. Die Konferenz fand zu einem Konsens: Strafbestimmungen gegen Menschen mit HIV sind unwirksam und gefährlich. In dieser Frage ist die Schweiz leider Spitzenreiter; hat sie doch eine der schärfsten Rechtspraktiken. Aber auch allgemeine Fragen der Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit HIV (zum Beispiel im Berufsleben, restriktive Einreisebestimmungen ect.) standen auf der Tagesordnung der Konferenz und machten einen eigentlichen Schwerpunkt aus. Die Diskussion um das von der Aids-Hilfe Schweiz unterstützte EKAF-Statement wurde an einem sehr gut besuchten Symposium weitergeführt und vertieft.

Forschung und Entwicklung
An der Internationalen Aids-Konferenz 2006 in Toronto wurde der Einsatz von Mikrobiziden und Impfstoffen schon fast als Wunderwaffe im Einsatz gegen HIV angepriesen. Doch die Ergebnisse der Studien waren mehr als enttäuschend. In Mexico wurden nun mit demselben Enthusiasmus Mikrobizide der 2. Generation vorgestellt. Mit ersten Studienergebnissen kann aber erst 2010 gerechnet werden. Nach wie vor wurde ein Defizit in der sozialwissenschaftlichen Forschung festgestellt. Die Aids-Hilfe Schweiz ist der Meinung, dass für ein besseres Zusammenarbeiten aller Kräfte mehr und klarere Daten, zum Beispiel in der Prävention nötig sind. 

Fazit
Die Aids-Hilfe Schweiz sieht den Nutzen ihrer Teilnahme an der Internationalen Aids-Konferenz einerseits in der immensen Fülle von Informationen, welche in kurzer Zeit aufgenommen werden können, andererseits in der Möglichkeit von informellen Treffen mit medizinischen Fachleuten, politischen VertreterInnen, Betroffenen und anderen Aids-Organisationen. Die Aids-Hilfe Schweiz wird die an der Konferenz erhaltenen und erarbeiteten Informationen sowie die in den Diskussionen aufgenommenen Impulse an einer nationalen Tagung im Oktober  vermitteln, sowie die Trends und deren Folgen für die Aids-Arbeit in der Schweiz diskutieren. 



Weitere Informationen direkt aus Mexico:

Thomas Lyssy
Mediensprecher der Aids-Hilfe Schweiz

Die Bestrafung der HIV-Übertragung ist keine Präventionsmassnahme – UNAIDS bekräftigt die Position der Aids-Hilfe Schweiz

Die Kriminalisierung der HIV-Übertragung ist nicht nur in der Schweiz ein Thema für Betroffene und Organisationen, die deren Interessen vertreten. Nicht weniger als neun Symposien und Sessionen sind diesem Thema gewidmet, total 11 Poster werden dazu präsentiert. Die Schweiz spielt allerdings eine führende Rolle in der Bestrafung von HIV-Positiven, und neuerdings sogar von Menschen, die noch nichts von ihrer Infektion wussten. Dies nimmt die Aids-Hilfe Schweiz mit tiefer Besorgnis zur Kenntnis, denn wo die HIV-Übertragung durch einvernehmlichen Sex erfolgte, sind in aller Regel beide Partner in gleicher Weise mitverantwortlich. Es ist deshalb falsch, die gesamte Verantwortung auf den HIV-positiven Partner zu schieben und diesen zu bestrafen. Deshalb ist von der strafrechtlichen Verfolgung abzusehen. Sie führt zu einer Kriminalisierung und einer weiteren Stigmatisierung der HIV-positiven Männer und Frauen in der Schweiz. Diese Position wurde heute Morgen von UNAIDS bekräftigt.

An der heute Morgen durchgeführten „Oral Abstract Session“ mit dem Titel “To Transmit or not to Transmit: Is that Really the Question? Criminalization of HIV Transmission” wurde die rechtliche Situation der HIV-Übertragung in verschiedenen Ländern näher beleuchtet. Dabei waren sich alle Referenten einig: Der weltweite Trend zur Einführung neuer Strafbestimmungen oder Verschärfung der Anwendung von bestehenden Gesetzen gegen Menschen mit HIV ist eine Katastrophe für Präventionsprogramme. Fachexperten sprechen sogar vom „HIL Virus“ (highly ineffective laws) – vom Virus der hoch unwirksamen Gesetze. Allein in Europa wurden in den letzten vier Jahren in 6 weiteren Ländern Gesetzesbestimmungen zur Kriminalisierung der HIV Übertragung eingeführt. Deshalb publizierte die UNAIDS gerade rechtzeitig zur Mexico Konferenz ein neues Policy Brief „Criminalization of HIV Transmission“ in dem auf die Gefährdung der Prävention und der Rechte von Menschen mit HIV durch das Strafgesetz hingewiesen wird. Wie UNAIDS festhält, existieren keine Daten – nicht nur wenige, sondern gar keine – die beweisen, dass das Strafgesetz die HIV Übertragung verhindert. Der hohe Richter Edwin Cameron aus Süd-Afrika hielt an einer Pressekonferenz fest: „Diese Gesetze sind schlecht.“

Dies gilt auch für die Schweiz: Denn die heutige Praxis könnte in der Bevölkerung so interpretiert werden, dass man sich künftig beruhigt auf ungeschützte Sexualkontakte einlassen darf weil ja gemäss Bundesgericht eine einseitige Pflicht für HIV Positive und neuerdings auch für Leute mit riskantem Sexualvorleben besteht die Safer Sex Regeln einzuhalten. Doch Safer Sex Regeln gelten grundsätzlich für alle. HIV kann nicht mit dem Strafrecht bekämpft werden sondern vor allem durch eine Prävention die an die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen appelliert.

Das Strafrecht soll nur bei böswilliger Ansteckung angewendet werden etwa bei den so
genannten «Desperado Fällen», wenn ein HIV Positiver absichtlich andere Menschen mit HIV infiziert, bei Gewalt, einem Abhängigkeitsverhältnis oder aber wenn in einer festen Beziehung der eine Partner dem anderen ein Risikoverhalten verschweigt.

Nach der Wahl von Ruth Genner zur Zürcher Stadträtin übernimmt Hansruedi Völkle das Präsidium der Aids-Hilfe Schweiz

Bern, 14. Juni 2008. An ihrer heutigen Generalversammlung haben die Mitglieder der Aids-Hilfe Schweiz Hansruedi Völkle zum Präsidenten gewählt. Er übernimmt das Amt von Nationalrätin Ruth Genner, welche am 1. Juni in den Zürcher Stadtrat gewählt wurde. Ausserdem verabschiedeten die Delegierten die neue Strategie für die Jahre 2009 bis 2014.

Der neue Präsident ist 62 Jahre alt, Physiker und Strahlenschutzspezialist sowie Titularpro-fessor an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Fribourg. Seit dem Jahre 2002 ist er im Vorstand der Aids-Hilfe Schweiz aktiv, seit 2007 deren Vizepräsi-dent.

Die Situation im Bereich HIV/Aids in der Schweiz hat sich verändert. HIV/Aids wird zur chro-nischen Krankheit, nicht heilbar, aber auch nicht unmittelbar tödlich, sondern langfristig behandelbar. Diese Ausgangslage verändert die Wahrnehmung von HIV in der Öffentlichkeit und bei den Zielgruppen der Aids-Hilfe Schweiz. Um die Aids-Hilfe Schweiz für die Aufgaben der kommenden Jahre zu befähigen, verabschiedeten die Delegierten die Strategie 2009 – 2014. Diese trägt den neuen Situationen Rechnung und schreibt die Grundlagen und Ziele der Arbeiten der Aids-Hilfe Schweiz und ihrer Mitglieder für die kommenden fünf Jahre fest.

In der Schweiz leben rund 25'000 HIV positive Menschen. Jeden Tag erhalten zwei Personen neu die Diagnose HIV-positiv, jeden Monat sterben sechs Menschen an den Folgen der Infektion. Eine Entwarnung ist fehl am Platz, eine Normalisierung noch in weiter Ferne. Beunruhigend ist einerseits, dass Menschen mit HIV nach wie vor in verschiedener Hinsicht diskriminiert werden und dass irrationale Ängste vor Infizierten verbreitet sind. Anderseits zeigen die epidemiologischen Zahlen der Schweiz, dass die Anzahl Neudiagnosen von HIV insbesondere bei Männern, die Sex mit Männern haben, seit mehreren Jahren wieder klar ansteigen. Gleichwohl gilt auch heute: Das Virus kann jeden treffen! Frauen und Männer, Heterosexuelle und Homosexuelle, SchweizerInnen und AusländerInnen, Junge und Alte. Auch 25 Jahre nach dem Beginn der Epidemie hat HIV/Aids seine Aktualität nicht verloren.

Weitere Informationen:
Thomas Lyssy
Mediensprecher Aids-Hilfe Schweiz

„Für die geilsten Spiele aller Zeiten“ – Die Aids-Hilfe Schweiz mit Freierregeln an der Euro 08.

Zürich, 3. Mai 2008. In etwas mehr als einem Monat beginnt die Euro 08 mit dem Eröffnungsspiel in Basel. Und damit hoffentlich die geilsten Spiele aller Zeiten. Mit dem nötigen Fairplay auf den Fussball-, und den Nebenschauplätzen der grossen Europarty. Dazu gehören sicher das Nachtleben in den Austragungsstädten und damit der Sex – auch der bezahlte. Die Aids-Hilfe Schweiz und ProKoRe lancieren zur Euro 08 fünf Freierregeln „Fairplay auch bei Sex für Geld“. Präventionsteams der regionalen Aids-Hilfen verteilen in Basel, Bern, Chur, Genf und Zürich die informativen Postkarten, welche die Männer auch zum Schmunzeln anregen sollen.



Die fünf Freierregeln

  • Höflichkeit, Respekt und ein sauberes Äusseres öffnen dir jede Tür!
  • Alkohol nimmt dir zwar die Hemmungen, gefährdet aber auch dein Stehvermögen.
  • Ein Mann steht zu seinem Wort. Halte dich an die Abmachungen und Preisabsprachen.
  • Arbeitet die Sexarbeiterin unfreiwillig oder steht sie unter Druck? Beratungsstellen findest du unter www.don-juan.ch
  • Gummi oder Gummi – du hast die Wahl. Und zwar in der richtigen Grösse – nur ohne ist völlig daneben.

Mit den Aktionen an der Euro 08 soll in Erinnerung gerufen werden, dass es beim bezahlten Sex Regeln gibt und dass ohne Kondome nichts läuft. Durch die Kampagne sollen mehr Männer erreicht werden als dies in der direkten Ansprache durch die sonstigen Don Juan Aktivitäten möglich ist.


Das Projekt Don-Juan

Mit folgenden Don Juan Angeboten soll das Präventionsbewusstsein bei Freiern gesteigert und somit ein Beitrag zur Reduktion der Neuinfektionen in der heterosexuellen Bevölkerung geleistet werden: Website mit Onlineberatung für Freier, persönliche Freieransprache im Milieu, Präventionsmaterialien für Etablissements und Bars.

230'000 Männer zwischen 17 und 45 Jahren in der Schweiz sind Freier. Sie unterscheiden sich bezüglich Bildung, Nationalität oder Religion nicht von anderen Männern. Das Freier-Sein ist in der schweizerischen Gesellschaft nach wie vor ein Tabu. Männer befürchten Diskriminierungen und Nachteile, wenn sie sich als Freier zu erkennen geben. Eine Absicht von Don Juan ist es, Freier und Freiertum zu enttabuisieren und damit dazu beizutragen, dass der bezahlte Konsum von sexuellen Dienstleistungen, die von erwachsenen Personen erbracht werden, als gesellschaftliche Gegebenheit anerkannt wird. Diese Akzeptanz bildet Grundlage für eine wirkungsvolle Prävention.

www.don-juan.ch


Über die Aids-Hilfe Schweiz

Die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) ist der Dachverband der 21 kantonalen und regionalen Aids-Hilfen sowie weiterer 36 im HIV/Aids-Bereich tätigen oder engagierten Organisationen.

Sie plant, koordiniert und realisiert Präventionsprojekte in den Bereichen HIV/Aids und weiterer sexuell übertragbarer Krankheiten (STI), besonders für Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko. Die Förderung einer selbstbestimmten, respektvollen Sexualität sowie rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, welche die sexuelle Gesundheit begünstigen, sind ihr ein Anliegen.Sie engagiert sich für Menschen mit HIV/Aids, ihre Bedürfnisse, Rechte und Gleichstellung in der Gesellschaft. Weitere Informationen: www.aids.ch


Weitere Informationen:

Thomas Lyssy

Mediensprecher der Aids-Hilfe Schweiz



Xenia / ProKoRe

Jacqueline Suter

Mobile 079 355 24 49


Beilage: Postkarte mit Freierregeln.Download (Zip 3'994KB)

Die Aids-Hilfe Schweiz sagt am 1. Juni „Nein zum Kassendiktat“


Zürich, 29. April 2008. Die Aids-Hilfe Schweiz lehnt die Vorlage "Für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Krankenversicherung" ab, über die am 1. Juni abgestimmt wird. Die Aids-Hilfe Schweiz ist überzeugt, dass die Annahme dieser Vorlage schädliche Auswirkungen auf das Gesundheitssystem hätte, insbesondere aber auf Menschen mit HIV.


Die geplante Einführung der Vertragsfreiheit der Krankenversicherer gegenüber ambulanten und/oder stationären Leistungserbringern, würde unweigerlich zu einer Beschränkung der freien Arzt- und Spitalwahl für Patienten und Patientinnen führen. Die Krankenkassen könnten fortan eigenmächtig bestimmen, mit welchen Ärzten sie zusammen arbeiten möchten und mit welchen nicht. Gerade die „teuren“ Ärzte und Ärztinnen, die Patienten mit chronischen Erkrankungen behandeln, stünden damit unter massiven Druck, Kosten einzusparen. Der Zugang von HIV-positiven Menschen zu einer qualitativ hoch stehenden medizinischen Versorgung könnte daher nur noch über Zusatzversicherungen gewährleistet werden, wobei diese wegen ihrer „schlechten Risiken“ ausgeschlossen werden, resp. keine neuen Zusatzversicherungen abschliessen können.

Geben die Krankenversicherer zukünftig vor, zu welchem Arzt oder Ärztin ihre Versicherten gehen müssen, ist damit eine schlechte Voraussetzung für die vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung gegeben, da Patienten nicht mehr selber ihren Arzt bestimmen dürften. Das könnte wiederum zu negativen Auswirkungen auf die Therapietreue führen, die gerade in der HIV-Behandlung wegen möglicher Resistenzen äusserst wichtig ist.

Die Aufweichung des Kassen-Obligatoriums führt dazu, dass sich Menschen mit HIV, die aufgrund ihrer Erkrankung und/oder aufgrund ihrer erfahrenen Diskriminierung sozial schwächer gestellt sind, beim Wegfall des Obligatoriums keine qualitativ hoch stehende medizinische Behandlung mehr leisten könnten. Mit der Vorlage wird ein Grundpfeiler der Solidarität im Schweizer Gesundheitssystem angegriffen, der bisher zwischen Gesunden und Kranken, Jungen und Alten gegolten hatte.

Deshalb empfiehlt die Aids-Hilfe Schweiz die Vorlage "Für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Krankenversicherung" zur Ablehnung.

Über die Aids-Hilfe Schweiz

Die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) ist der Dachverband der 21 kantonalen und regionalen Aids-Hilfen sowie weiterer 36 im HIV/Aids-Bereich tätigen oder engagierten Organisationen.

Sie plant, koordiniert und realisiert Präventionsprojekte in den Bereichen HIV/Aids und weiterer sexuell übertragbarer Krankheiten (STI), besonders für Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko. Die Förderung einer selbstbestimmten, respektvollen Sexualität sowie rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, welche die sexuelle Gesundheit begünstigen, sind ihr ein Anliegen.Sie engagiert sich für Menschen mit HIV/Aids, ihre Bedürfnisse, Rechte und Gleichstellung in der Gesellschaft. Weitere Informationen: www.aids.ch

Safer Sex auch in Ausnahmesituationen


Die LOVE LIFE STOP AIDS-Kampagne 2008 des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und der Aids-Hilfe Schweiz (AHS) startet mit der ersten Kommunikationswelle. Die Plakatsujets zeigen Paare beim Sex im Urlaub, auf Geschäftsreisen oder auch an Parties. Im Auftrag des BAG führte das Kantonsspital St. Gallen die sogenannte CHAT-Studie (SCHweizer AIDS-Transmission) durch und informierte 2007 über die Resultate. Dabei zeigte sich, dass Personen, die eigentlich eine gute Schutzstrategie haben, in bestimmten Situationen auf das Präservativ verzichteten und sich deshalb mit HIV infiziert haben.


Im Rahmen der CHAT-Studie wurden frisch mit HIV diagnostizierte Menschen über die Ansteckungssituation befragt. Dabei gaben 12% der befragten Personen an, sich auf Geschäfts- oder Ferienreisen im Ausland angesteckt zu haben. Es wurde auch deutlich, dass viele von ihnen normalerweise eine gute Schutzstrategie haben und ein Präservativ verwenden. In bestimmten Situationen, wie unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, bei besonderer Erregung, beim Sex mit einem von früher vertrauten Partner oder starker Verliebtheit wurde trotz Schutzstrategie aufs Präservativ verzichtet und es kam zu einer Infektion.


Überlegungen müssen vor diesen Situationen getroffen werden

Die CHAT-Studie zeigt: Auch wenn die Verwendung des Präservativs sonst selbstverständlich ist, kann es in manchen Situationen schwierig sein, sich zu schützen. Die Kampagne soll darauf aufmerksam machen, dass es wichtig ist, schon im Vorfeld über mögliche Ausnahmesituationen nachzudenken und an Parties und auf Reisen ein Präservativ dabei zu haben. Ausserhalb einer treuen, festen Beziehung gilt nach wie vor: Kein Eindringen ohne Gummi, kein Sperma oder Blut in den Mund. Wer meint, ein HIV-Test könnte sinnvoll sein, kann dies weiterhin unter www.check-your-lovelife.ch überprüfen und erfährt dort auch, wo ein anonymer Test gemacht werden kann. Unter www.safetravel.ch sind zusätzliche Informationen über Reisen und HIV / Aids zu finden.


HIV / Aids geht alle an

In der Schweiz haben nicht alle Menschen das gleich grosse Risiko, sich mit HIV zu infizieren. So ist HIV unter Männern, die Sex mit Männern haben, aber auch bei Personen aus Subsahara-Afrika oder bei injizierenden DrogenkonsumentInnen stärker verbreitet und ihr Risiko somit grösser. Dennoch ist es wichtig, dass alle sexuell aktiven Personen eine wirksame Schutzstrategie haben, die auch in Ausnahmesituationen eingehalten wird. Zudem leben schätzungsweise rund 25’000 Menschen mit HIV / Aids in der Schweiz. Die ganze Bevölkerung muss über die Krankheit und die Ansteckungswege Bescheid wissen.


Kampagne

Das Hauptmedium der Kampagne sind Plakate. Ergänzend werden wie in 2007 TV-Kurzspots mit den „Love-Lips“ ausgestrahlt, Anzeigen geschaltet und Online Banners platziert. Mitte August folgt die zweite Kommunikationswelle.


Weiterführende Links:

www.lovelife.ch

www.check-your-lovelife.ch

www.safetravel.ch

www.bag.admin.ch/aids

www.aids.ch

(Bulletin 29/07: CHAT-Studie


Für weitere Auskünfte:

Bundesamt für Gesundheit;

zur Kampagne: Adrian Kammer, Leiter Sektion Kampagnen, Tel.: 031 322 95 05

zur HIV-Prävention allgemein: Lisa Guggenbühl, Stv. Leiterin Sektion Aids, Tel.: 031 322 95 05