Kombinationstherapie
Detaillierte Informationen zur Kombinationstherapie - zu den einzelnen Medikamenten, ihren Wirkungen und Nebenwirkungen, zu neuen Therapieansätzen usw. - finden Sie unter «Für HIV-Positive/Medizin».
Welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Bisher gibt es kein Medikament, das eine HIV-Infektion heilen könnte - und es zeichnet sich auch nicht ab, dass in den nächsten Jahren hier mit einem Durchbruch zu rechnen wäre. Dennoch macht die Medizin Fortschritte. Inzwischen steht eine ganze Reihe von Medikamenten zur Verfügung, welche die Vermehrung von HIV hemmen.Zudem ist es heute möglich, den meisten opportunistischen Infektionen (vgl. Wie schwächt HIV das Immunsystem?) vorzubeugen oder sie zumindest erfolgreich zu behandeln – wenn sie rechtzeitig erkannt werden.
Oft bleiben solche Infektionen allerdings unerkannt, weil sie selten geworden sind und viele Ärztinnen und Ärzte die Symptome nicht richtig einordnen können. Zur Abklärung von Krankheitszeichen kann deshalb ein HIV-Test sinnvoll sein.
Medikamente gegen die Vermehrung von HIV (antiretrovirale Therapie = ART)
Derzeit werden Medikamente aus vier Medikamentengruppen oder Wirkstoffklassen gegen HIV eingesetzt; sie setzen an verschiedenen Stellen der Virusvermehrung an:· NRTI (nukleosidanaloge bzw. nukleotidanaloge Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) schleusen sich als falsche Bausteine in die menschliche Zelle ein. Auf diese Weise verhindern sie, dass die HIV-Erbinformation durch das viruseigene Enzym «Reverse Transkriptase» (RT) umgeschrieben (transkribiert) wird, damit sie zur menschlichen Erbinformation passt: von einsträngiger RNA zu doppelsträngiger DNA*.
*RNS/DNS: Abk. für Ribonukleinsäure bzw. Desoxyribonukleinsäure; Träger der Erbinformation
· NNRTI (nicht-nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) dagegen blockieren direkt die Reverse Transkriptase.
· PI (Protease-Inhibitoren) hemmen das viruseigene Enzym «Protease», eine Eiweiss-Schere, welche Vorstufen viraler Eiweisse in funktionstüchtige Einheiten zerschneidet. Damit wird die Produktion neuer HI-Viren in den menschlichen Zellen vermindert.
· Entry-Inhibitoren Entry-Inhibitoren verhindern, dass HIV an die Zielzelle andocken bzw. nach dem Andocken mit dieser verschmelzen kann. Man unterscheidet CCR5- Antagonisten und Fusions-Inhibitoren.
Bei der heute aktuellen Therapie gegen HIV werden mehrere Wirkstoffe dieser Wirkstoffklassen gleichzeitig eingesetzt, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen. Deshalb spricht man von einer Kombinationstherapie gegen HIV.
Eine weitere Wirkstoffklasse ist in Entwicklung:
· Integrase-Inhibitoren sollen das HIV-eigene Enzym «Integrase» hemmen, das die umgeschriebene
Virus-DNS in die menschliche DNS einbaut. Der Wirkstoff Raltegravir ist vorläufig nur im Rahmen von
klinischen Studien erhältlich (expanded access programm).
Die meisten der heute verfügbaren Medikamente gegen HIV sind in der Schweiz zugelassen. Andere sind über internationale Apotheken oder entsprechende Zugangsprogramme der Hersteller erhältlich. Ärzte und Ärztinnen von HIV-Behandlungszentren oder -Schwerpunktpraxen können hierüber informieren.
Therapieerfolg
Virushemmende Medikamente bewirken, dass die Zahl der freien Viren im Blut (Viruslast) ab- und die der Helferzellen zunimmt: Dies sind Zeichen für eine geringere Virusvermehrung und eine verbesserte Immunfunktion. Die Medikamente verlängern damit in der Regel die symptomfreie Zeit oder lindern Symptome.Die Medikamente gegen HIV können aber auch eine ganze Reihe unerwünschter Wirkungen haben. Und welche Langzeitfolgen die Medikamente haben, ist zurzeit noch nicht ausreichend abzusehen. Zudem verlangt eine Kombinationstherapie gegen HIV eine rigorose Einnahmedisziplin - und dies auf unabsehbare Dauer. Denn eine Kombinationstherapie gegen HIV muss voraussichtlich lebenslang durchgeführt werden.
Ziel einer optimalen Therapie ist es deshalb, den Zustand des Immunsystems zu verbessern und langfristig zu stabilisieren, und zwar so, dass möglichst wenig Nebenwirkungen auftreten und die Behandlung weitgehend in den Alltag integriert werden kann.
Die Einhaltung der Therapievorschriften allein reicht dazu nicht aus. Wichtig ist auch ein gutes Arzt-Patient-Verhältnis, die Bereitschaft der Patienten bzw. Patientinnen, sich zu informieren und an der Behandlung mitzuwirken, sowie die Unterstützung durch das soziale Umfeld.
Eine Kombinationstherapie gegen HIV – zur rechten Zeit begonnen, individuell zugeschnitten und richtig durchgeführt – kann die Lebenserwartung deutlich erhöhen.
Eine Behandlung ist empfohlen, wenn
- die Zahl der Helferzellen und die Viruslast bestimmte Grenzwerte erreichen oder sich rasch zum Schlechteren verändern;
- Krankheiten auftreten, die mit der HIV-Infektion bzw. der Immunschwäche im Zusammenhang stehen (z.B. opportunistische Infektionen.
Menschen mit einer HIV-Infektion, die erwägen, eine Kombinationstherapie gegen HIV zu beginnen oder mehr zur Therapie wissen möchten, sollten sich umfassend informieren und beraten lassen.
Sie finden u.a. weitere Informationen in der Broschüre «Bereit für die Therapie?», herausgegeben von der Aids-Hilfe Schweiz, der Aids Info Docu Schweiz und dem Bundesamt für Gesundheit.

