Ansteckungsgefahr
Wie wird HIV nicht übertragen?
Das HI-Virus gehört zu den schwer übertragbaren Krankheitserregern. Das Virus ist sehr empfindlich und ausserhalb des menschlichen Körpers unter Alltagsbedingungen nicht lebensfähig. Die üblichen Hygienemassnahmen im Haushalt und im Krankenhaus reichen aus, um es unschädlich zu machen.HIV wurde zwar auch in Urin, Kot, Speichel, Schweiss und Tränenflüssigkeit nachgewiesen, jedoch nur in sehr geringer Menge, die für eine Ansteckung nicht ausreicht. Weltweit ist kein einziger Fall bekannt, bei dem eine Infektion über diese Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen erfolgt wäre.
Deshalb besteht keine Ansteckungsgefahr bei
- Händedruck, Umarmen, Streicheln
- Anhusten oder Anniesen
- Benutzen derselben Teller, Gläser und Bestecke
- Benutzen von Toiletten, Bädern oder Saunen
- Zusammenarbeiten und -wohnen mit Menschen mit HIV/Aids
- Betreuen und Pflegen von Menschen mit HIV/Aids.
Viele Studien überprüften Haushalte, in denen HIV-positive und HIV-negative Menschen zusammenleben; trotz der engen Kontakte im Alltag wurde noch nie eine Infektion festgestellt.
Bei den üblichen Kontakten im Alltag besteht keine Gefahr, dass ein HIV-positiver Elternteil sein Kind oder dass ein HIV-positives Kind seine Spielkameradinnen und -kameraden infiziert.
Auch beim Küssen wird das HI-Virus nicht übertragen; weltweit ist kein einziger Fall einer solchen Infektion belegt.
Oft lösen Nadelstichverletzungen an gebrauchten Fixerutensilien grosse Besorgnis in Bezug auf eine HIV-Infektion aus, insbesondere wenn sie Kindern widerfahren. Weltweit ist bis zum heutigen Tag aber kein einziger Fall einer HIV-Infektion auf diesem Weg dokumentiert. Deshalb wird in aller Regel auch keine HIV-Postexpositions-Prophylaxe empfohlen (vgl. Schutz: Wenn das Kondom gerissen ist oder vergessen ging). Trotzdem sollte bei einer Nadelstichverletzung schnell eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden, da das Risiko besteht, sich auf diesem Weg mit dem Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Virus* zu infizieren.
*Hepatitis B bzw. Hepatitis C sind Leberentzündungen, die durch Virusinfektionen
verursacht werden (vgl. auch Hepatitis).
Für Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, gilt: Was vor Hepatitis B* schützt, schützt auch vor HIV und damit vor Aids, denn HIV ist wesentlich schwerer übertragbar als das Hepatitis-B-Virus. Über die Schutzmassnahmen, die in diesem speziellen Arbeitsumfeld nötig sind, informiert Sie Ihr Arbeitgeber.
Wie kann HIV übertragen werden?
Unzählige Studien zu den bis heute festgestellten HIV-Infektionen zeigen eindeutig, in welchen Situationen ein HIV-Infektionsrisiko besteht. Schwerer fällt es hingegen, die Gründe für die Beobachtungen anzugeben: Viele Fragen zum genauen Vorgang der Übertragung sind bis jetzt nicht geklärt.Sexuelle Übertragung
Am häufigsten wird HIV beim Sex ohne Kondom übertragen.Im Jahr 2007 wurden 761 Menschen in der Schweiz neu HIV-positiv getestet, 226 Frauen und 523 Männer (12 unbekannt). Mehr als 80% der Frauen hatten sich über heterosexuellen Geschlechtsverkehr infiziert; bei den Männern waren es rund 30%, die sich so infiziert hatten. 60% der Männer hatten sich über ungeschützten Verkehr mit Männern infiziert. Kurz: 85% dieser Infektionen oder 655 Fälle waren auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurückzuführen.
- Ungeschützter Analverkehr ist in Bezug auf eine HIV-Infektion die risikoreichste Praktik – für beide Personen.
- Ungeschützter Vaginalverkehr gilt als zweitrisikoreichste
Praxis. Anders als häufig angenommen, haben HIV-negative Männer mit
einer HIV-positiven Partnerin nur ein unwesentlich geringeres
Ansteckungsrisiko als umgekehrt HIV-negative Frauen mit HIV-positiven
Partnern.
Bei ungeschütztem eindringendem Verkehr – anal oder vaginal – besteht auch ohne Samenerguss ein reales Übertragungsrisiko. Schon der enge Kontakt von Genital-Schleimhäuten kann für eine Übertragung ausreichen. - Oralverkehr: «Einander mit dem Mund verwöhnen», «Lecken»,
«Blasen» oder «Lutschen» birgt ein Risiko, wenn Sperma oder
Menstruationsblut in den Mund der Partnerin bzw. des Partners gelangt.
Oralverkehr ohne Samenerguss bzw. ausserhalb der Menstruation gilt als sicher, solange keine andere sexuell übertragbare Krankheit vorliegt.
Das Risiko, sich in diesen Situationen mit HIV zu infizieren bzw.
andere mit HIV anzustecken, ist u.U. deutlich höher, wenn eine der
beteiligten Personen zusätzlich an einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit leidet
(vgl. Geschlechtskrankheiten).
Das Infektionsrisiko steigt mit der Anzahl ungeschützter Kontakte. Allerdings kann schon ein einziger ungeschützter Kontakt zu einer Ansteckung mit HIV führen.
Je höher die Menge HIV-Virenkopien je Milliliter Blutplasma ist, d.h. je
höher die Viruslast der infizierten Person, desto höher ist das
Risiko, dass HIV bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen werden
kann.
Übertragung beim Drogenkonsum
Menschen, die sich Drogen spritzen («fixen»), haben ein sehr hohes HIV-Infektionsrisiko, wenn sie ein bereits von einer anderen Person benutztes Spritzbesteck verwenden. Dann kann nämlich infiziertes Blut – über kleine Blutreste im Spritzbesteck – direkt in die Blutbahn eindringen. Ein Infektionsrisiko besteht auch, wenn die Droge mit gebrauchtem Spritzbesteck aufgeteilt oder wenn gebrauchtes Zubehör (Löffel, Filter, Tupfer) wiederverwendet wird. Ausserdem kann man sich dabei sehr leicht mit Hepatitis B oder Hepatitis C infizieren.Gut 8% der 2007 bei Männern in der Schweiz neu diagnostizierten HIV-Infektionen waren auf unsafen Drogenkonsum zurückzuführen und mehr als 7% jener bei Frauen. Anders: Knapp 8% der 2007 neu diagnostizierten HIV-Infektionen oder rund 60 Fälle waren auf risikoreichen Drogenkonsum zurückzuführen.
Mutter-Kind-Übertragung
Kinder von HIV-positiven Frauen können während der Schwangerschaft, während der Geburt und auch beim Stillen angesteckt werden.
Die Übertragungsrate hängt dabei wesentlich vom Gesundheitszustand der
Mutter ab sowie von vorbeugenden Massnahmen. Ohne spezielle
medizinische Massnahmen betrug das Übertragungsrisiko in der Schweiz
fast 25%, d.h. jedes vierte Kind einer HIV-positiven Mutter wurde
während der Schwangerschaft bzw. bei der Geburt angesteckt.
Unter optimalen Bedingungen sinkt die Übertragungsrate praktisch auf
Null (<1%): Zu diesen gehören die gezielte Einnahme von Medikamenten
gegen HIV (vgl. Kombinationstherapie) während der Schwangerschaft, der Verzicht auf das Stillen sowie eine vierwöchige
Behandlung des Babys mit Medikamenten gegen HIV. In bestimmten Fällen
wird das Kind zudem per Kaiserschnitt vor Einsetzen der Wehen entbunden.
Bei korrekt durchgeführter und wirksamer Therapie der Mutter gegen HIV
und der Einhaltung der weiteren Massnahmen werden heute in der Schweiz
keine HIV-Übertragungen auf das Neugeborene mehr festgestellt. Für
schwangere Frauen ist es deshalb empfehlenswert, sich auf HIV zu
testen, damit eine allfällige HIV-Übertragung auf ihr Kind verhindert
werden kann.
In Ländern ohne diese medizinischen Möglichkeiten
ist die Mutter-Kind-Übertragung nach wie vor ein sehr häufiger Weg, wie
sich HIV verbreitet.
Blut und Blutprodukte
Um zu verhindern, dass bei Bluttransfusionen HIV übertragen wird, werden in der Schweiz seit Mitte der 80-er Jahre alle Blutspenden auf HIV-Antikörper untersucht. Seit 2001 kommt zudem ein Testverfahren zum Einsatz, das direkt nach Bestandteilen des Erregers sucht. Ein minimales Restrisiko (ca. 1 zu 600'000) bleibt wegen der «diagnostischen Lücke» dennoch bestehen: Dies ist der Zeitraum, der zwischen der eventuellen Infektion des Spenders bzw. der Spenderin und der Bildung zuverlässig nachweisbarer Antikörper bzw. dem Vorliegen einer für den Test notwendigen Anzahl Virenkopien liegt (vgl. Testverfahren).Auf eine lebensrettende Bluttransfusion sollte deshalb aber niemand verzichten. Bei geplanten Operationen kann auch eine Eigenblutspende sinnvoll sein.
Menschen mit Hämophilie (Bluter)* sind heute nicht mehr durch das für sie lebenswichtige Blutplasmakonzentrat HIV-gefährdet. Durch bestimmte Herstellungsverfahren und durch Tests wird weitestgehend sichergestellt, dass derartige Blutprodukte kein HIV enthalten.
*Bluter leiden an einer erblichen Störung der Blutgerinnung; d.h., ihrem Blut fehlt ein Bestandteil, der bei inneren und äusseren Verletzungen die Blutung stoppt. Bluter sind deshalb lebenslang auf bestimmte Blutprodukte angewiesen. Die Bluterkrankheit betrifft in aller Regel nur Männer; Frauen können Trägerinnen der Krankheit sein und sie weitervererben, ohne selber an der Krankheit zu leiden.

