Hepatitis
Hepatitis-Handbuch
Umfassende Informationen zu Hepatitis finden Sie in der Online-Version des Hepatits-Handbuches auf www.hepch.ch
Was ist Hepatitis?
Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, die durch Viren verursacht werden kann. Diese Viren sind übertragbar.Andere Ursachen für eine Entzündung der Leber (Hepatitis) sind z.B. Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch, aber auch Stoffwechselkrankheiten oder Autoimmunreaktionen (Reaktionen des Körpers gegen körpereigene Zellen und Zellprodukte). Diese Hepatitiden sind nicht übertragbar.
Verschiedene Erreger
Die wichtigsten Hepatitis-Erreger sind- das Hepatitis-A-Virus (HAV)
- das Hepatitis-B-Virus (HBV)
- das Hepatitis-C-Virus (HCV)
Wie äussert sich eine akute Hepatitis-Infektion?
Oft bleibt eine akute Hepatitis-Infektion symptomlos. Die Entzündung der Leber kann aber auch zu folgenden Symptomen führen, die in allen Kombinationen vorkommen können:- Müdigkeit, Fieber
- ausgeprägtes Krankheitsgefühl
- Gelenkschmerzen
- Appetitlosigkeit
- Übelkeit und evtl. Erbrechen
- Schmerzen im rechten Oberbauch
- Dunkelfärbung des Urins und Entfärbung des Stuhls
- Gelbverfärbung der Augen und/oder der Haut (Gelbsucht). Achtung: Eine Gelbsucht kann auch andere Ursachen haben als eine Infektion mit einem der Hepatitis-Viren.
In seltenen Fällen verläuft die akute Infektion fulminant, d.h. führt zu einem Leberversagen mit Todesfolge.
Wie gefährlich ist Hepatitis?
Hepatitis B und Hepatitis C heilen nur in einem Teil der Fälle spontan aus, in den anderen wird die Infektion chronisch. Auch bei chronischem Verlauf bleiben die meisten betroffenen Menschen während Jahren bis Jahrzehnten ohne Beschwerden.Die Leber übernimmt im gesamten Stoffwechsel sehr vielfältige und zentrale Aufgaben (Gallenproduktion, Entgiftung und Ausscheidung giftiger Substanzen, Bildung von Blutgerinnungsfaktoren ...). Nach einer Infektion mit Hepatitis-Viren kommt es zu einer Schädigung von Leberzellen. Dies stellt unter Umständen ein erhebliches Problem für den gesamten Organismus dar.
Wie weit sich die Entzündung der Leber ausbreiten kann, hängt zum einen vom Virustyp, zum anderen von der Funktionstüchtigkeit des Abwehrsystems der infizierten Person ab. Die Behandlungen sind nur begrenzt erfolgreich.
Eine Infektion mit den Hepatitis-Viren B und C kann im weiteren Verlauf durch fortschreitenden Umbau der Leberzellen (Leberzirrhose) zu einem Versagen der Leberfunktionen oder zur möglichen Spätfolge eines Leberzellkarzinoms (Leberzellkrebs) führen.
| Neuinfektionen/ Jahr (geschätzt) |
Chronifizierung in % der Fälle |
Gesamtzahl chronisch Infizierter | |
| Hepatitis A | 500 bis 700 | -- | -- |
| Hepatitis B | 1'700 bis 2'000 | 5 (-10) | 20'000 |
| Hepatitis C | 500 bis 1'000 | 70 bis 80 | 50'000 bis 70'000 |
Wichtigste Übertragungswege und hauptsächlich betroffene Gruppen
| Hauptübertragungs- weg |
Hauptzielgruppen | |
| Hepatitis A | fäkal-oral | Reisende in Endemiegebiete |
| Hepatitis B | sexuell | Sexuell aktive Menschen mit häufigem oder gelegentlichem PartnerInnen-wechsel (insbes. auch auf Reisen in Endemiegebiete) |
| Blut-Blut-Kontakt | Intravenös Drogen Konsumierende | |
| Mutter-Kind | Werdende Mütter | |
| Hepatitis C | Blut-Blut-Kontakt | Intravenös Drogen Konsumierende |
Schutzmassnahmen
Hepatitis AVerhaltensprävention
- Hygiene-Massnahmen bei Reisen in Endemiegebiete: nur abgekochtes Wasser oder Wasser aus vorher verschlossenen Flaschen; kein Salat, keine Muscheln, kein Eis, Obst schälen ...
Impfempfehlung:
- Reisende in Endemiegebiete
- Drogen Konsumierende
- Homosexuelle
- SexworkerInnen
- HIV-Positive
Hepatitis B
Verhaltensprävention:
- Safer Use: saubere Spritze/Nadel, eigener Löffel, eigene Watte, eigener Filter, frisches Wasser
- Safer Sex: Risikoverminderung, aber wahrscheinlich nicht gleich effektiv wie bei HIV
- Hygiene im Alltag: kein gemeinsamer Gebrauch von Gegenständen, die mit Blutspuren kontaminiert sein könnten (Rasierzeug, Zahnbürste ...)
- Hygiene bei Tattoo und Piercing
- Medizinische Eingriffe bei Reisen in Endemiegebiete: nach Möglichkeit vermeiden (Spritzen, Infusionen ...)
Impfempfehlung:
- Intravenös Drogen Konsumierende
- Sexuell aktive Menschen mit häufigem oder gelegentlichem PartnerInnenwechsel
- 11- bis 15-Jährige
- Reisende in Endemiegebiete mit Aufenthaltsdauer > 1 Monat oder kürzer, aber mit Risikoverhalten
- Spezielle Berufsgruppen (z.B. Personal im Gesundheitswesen)
- HIV-Positive
Hepatitis C
Safer Use: saubere Spritze/Nadel, eigener Löffel, eigene Watte, eigener Filter, frisches Wasser
- Hygiene im Alltag: kein gemeinsamer Gebrauch von Gegenständen, die mit Blutspuren kontaminiert sein könnten (Rasierzeug, Zahnbürste ...)
- Safer Sex
- Hygiene bei Tattoo und Piercing
- Medizinische Eingriffe bei Reisen in Endemiegebiete: nach Möglichkeit vermeiden (Spritzen, Infusionen ...)
Impfempfehlung:
- Keine Impfung möglich
Impfung
Es gibt kombinierte Impfstoffe gegen HAV und HBV. Eine aktive Immunisierung verlangt drei Impfdosen in den Monaten 0, 1 und 6; allerdings zeichnet sich eine Vereinfachung auf nur zwei Impfdosen ab. Impfungen gegen Hepatitiden machen Safer Sex und Safer Use nicht überflüssig: Das HIV- und das HCV-Infektionsrisiko bleiben!Die aktiven Impfungen gegen Hepatitis A und B sind auch bei Menschen mit einer Immunschwäche unbedenklich, da es sich bei beiden um Totimpfstoffe handelt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Impfungen bei Menschen mit einer HIV-Infektion mehr Nebenwirkungen verursachen oder den Verlauf der HIV-Infektion langfristig ungünstig beeinflussen.
Der Impferfolg ist bei Menschen mit HIV geringer als sonst; HIV-positiven Menschen wird empfohlen, möglichst früh ihren Impfschutz aufzubauen bzw. zu erhalten.
Vor der Impfung soll bei HIV-positiven Menschen getestet werden, ob nicht bereits eine Infektion mit HAV oder HBV vorliegt.

