Welt-Aids-Tag 2009
Auch 25 Jahre danach: Die Situation der Betroffenen hat sich nicht verbessert.
- Die Aids-Hilfe Schweiz – seit 1985 im Einsatz für Betroffene
- HIV und Aids in der Schweiz
- Gegen Aids – für die Betroffenen : Die Kampagne geht mit neuen, jungen Gesichtern ins zweite Jahr
- Was tut die Aids-Hilfe Schweiz für die Betroffenen?
- Der Welt-Aids-Tag – Geschichte und Bedeutung
- Veranstaltungskalender
Die Aids-Hilfe Schweiz – seit 1985 im Einsatz für Betroffene
Vor rund 25 Jahren, im Juni 1985, wurde in Zürich die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) gegründet. Aus einer Gruppe von Betroffenen der ersten Stunde und weiteren engagierten Männern hat sie sich seither zu einer nationalen Organisation entwickelt.
Heute ist sie der Dachverband der 21 kantonalen und regionalen Aids-Hilfen sowie weiterer 42 im HIV/Aids-Bereich tätigen oder engagierten Organisationen.
Sie plant, koordiniert und realisiert Präventionsprojekte in den
Bereichen HIV/Aids und weiterer sexuell übertragbarer Krankheiten
(STI), besonders für Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko. Die
Förderung einer selbstbestimmten, respektvollen Sexualität sowie
rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, welche die sexuelle
Gesundheit begünstigen, sind ihr ein Anliegen.
Aber das Engagement für Menschen mit HIV/Aids, ihre Bedürfnisse, Rechte und Gleichstellung in der Gesellschaft gehört immer noch zu den Kernaufgaben der Aids-Hilfe Schweiz. Wie vor 25 Jahren.
HIV und Aids in der Schweiz
Zurzeit leben rund 25’000 Menschen mit HIV und Aids in unserem Land. Dank den modernen Therapien sind sie nicht mehr unmittelbar mit dem Sterben konfrontiert. Ihr Immunsystem erholt sich und viele haben eine normale Lebenserwartung. Trotz dieses medizinischen Fortschritts sterben aber auch heute noch 6 Menschen pro Monat an Aids. Und jeden Tag kommen zwei Personen mit der Diagnose HIV positiv neu dazu.
Eine Entwarnung ist fehl am Platz, eine Normalisierung noch in weiter Ferne. Das Virus kann jeden treffen: Frauen und Männer, Heterosexuelle und Schwule, Schweizer und Ausländer, Junge und Alte.
HIV und Aids sind zwar aus dem Rampenlicht verschwunden. Die betroffenen Menschen sind – auch aus Angst vor Stigmatisierung und Diskriminierung nicht mehr sichtbar, aber sie leben unter uns. Und sie benötigen unsere Unterstützung und unsere Solidarität. Auch über 25 Jahre nach der ersten Infektion.
Und nicht nur am Welt-Aids-Tag.
Alltägliche Ablehnung…
Es kann nicht wegdiskutiert werden: praktisch täglich erleben Menschen mit HIV immer noch Ablehnung, Ausgrenzung, Stigmatisierung und Diskriminierung, wenn sie sich als HIV-positiv zu erkennen geben.
Von unbekannten Personen, aber auch von Arbeitgebern, Arbeitskollegen und –kolleginnen, Freunden und sogar aus dem engsten Familienkreis.
…auf Grund von Vorurteilen
Vorurteile führen zu Ausgrenzung: Unwissen über HIV, bewusste
oder unbewusste Angst vor einer Ansteckung, Vorurteile gegenüber
sogenannten „Randgruppen“ (z.B. Schwulen), Schuldzuweisungen an die
HIV-Positiven, Egoismus oder mangelnde Solidarität mit den Schwächeren
in unserer Gesellschaft.
Das Engagement der Gesellschaft ist gefordert.
Egal welche Gründe dahinter stecken, eines ist sicher: Die Gesellschaft muss sich im Kampf gegen die Diskriminierung von HIV-positiven Menschen engagieren. Diese beeinträchtigt das Leben der betroffenen Frauen, Männer, Jugendlichen und Kinder in allen Lagen und Bereichen.
Gegen Aids – für die Betroffenen : Die Kampagne geht mit neuen, jungen Gesichtern ins zweite Jahr
„Würden Sie mich noch sehen wollen, wenn ich HIV-positiv wäre?“ fragt Sandra Studer, „Würden Sie noch an meine Konzerte kommen, wenn ich HIV-positiv wäre?“, erkundigt sich Stephan Eicher, „Würdest Du mich noch respektieren, wenn ich HIV-positiv wäre?“, will Stress wissen, „Würden Sie mich noch als Model buchen, wenn ich HIV-positiv wäre?“ fragt Xenia Tchoumitcheva, „Würden Sie mich noch in der Nati wollen, wenn ich HIV-positiv wäre?“ meint Johan Djourou und „Wäre ich für Sie noch im Rennen, wenn ich HIV-positiv wäre?“ will Lara Gut wissen.
Dabei blicken die sechs Prominenten den Betrachter direkt ins Auge. Ein Ausweichen, ein Wegschauen, ist nicht möglich. Mit diesen persönlich gefärbten Fragen zeigen sie ihre Solidarität mit den Betroffenen und rütteln die Öffentlichkeit auf darüber nachzudenken, wie diese mit ihren Idolen aus Medien, Kultur und Sport umgehen würde, wären sie denn HIV-positiv.

Schon im ersten Jahr erreichte die Kampagne damit eine enorm hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Sie löste nicht nur in den Medien eine Diskussion über die Lebenssituation der HIV-positiven Frauen, Männer und Jugendlichen in der Schweiz aus.
Was tut die Aids-Hilfe Schweiz für die Betroffenen?
Allgemeine Anklagen?
Die Behauptung, dass HIV-Positive in vielen Bereichen des öffentlichen und Privatlebens auf Ablehnung stossen und Diskriminierung erfahren, beruht auf Fakten und Zahlen. Aus der Rechtsberatung der Aids-Hilfe Schweiz und der Groupe Sida Genève sowie den Beratungstätigkeiten weiterer regionaler Aids-Hilfen.
Was tut die Aids-Hilfe Schweiz für die Betroffenen?
Noch immer zieht eine HIV-Diagnose für zahlreiche Menschen soziale und rechtliche Fragestellungen und Schwierigkeiten nach sich. Für die Aids-Hilfe Schweiz ist deshalb der Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit HIV weiterhin eine vordringliche Aufgabe. Unsere Dienstleistungen haben zum Ziel, die rechtliche und soziale Lage einerseits durch individuelle Beratungen, andererseits mittels Sensibilisierungs- und Lobbyingmassnahmen zu verbessern.
Arbeitswelt
Menschen mit HIV oder Aids werden im Arbeitsalltag nach rund 25 Jahren HIV/Aids in der Schweiz immer noch mit Problemen konfrontiert: Datenschutzverletzungen und Mobbing sind an der Tagesordnung. Diese Probleme wirken sich nicht nur gegenüber der betroffenen Person aus – sie haben auch negative Auswirkungen auf das gesamte Betriebsklima.
Der Stellenwert, den die berufliche Integration und damit die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben für die Zufriedenheit und Gesundheit jedes Menschen haben, ist allgemein bekannt. Durch die Ausgrenzung von Menschen mit HIV aus dem Berufsleben bleibt Können ungenutzt. Gleichzeitig werden die Sozialversicherungen durch die oft unnötige finanzielle Abhängigkeit der Betroffenen belastet.
Workplace-Policy

Ein Arbeitsklima ohne Diskriminierungen ist für alle Mitarbeitenden von Nutzen, es wirkt motivierend und produktionsfördernd.
Mit einem Reglement zu HIV/Aids am Arbeitsplatz können Arbeitgeber ihr soziales Engagement gegen innen und aussen sichtbar unter Beweis stellen und signalisieren, dass sie ein fortschrittlicher und offener Arbeitgeber mit sozialer Kompetenz sind.
Dieses Engagement bringt ihnen bei der Berichterstattung nach GRI (Global Reporting Initiative www.globalreporting.org) zusätzliche Punkte ein.
Mit den Bestrebungen zum Abbau von Stigmatisierung und Vorurteilen gegenüber Menschen mit HIV/Aids leisten die Arbeitgeber einen wichtigen volkswirtschaftlichen Beitrag und helfen mit bei der Umsetzung der 5. IV-Revision, die unter anderem Massnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der Erwerbsfähigkeit vorsieht.
Mehr Informationen und das Reglement als Download finden sich unter www.workpositive.ch
Leitfaden für Arbeitgeber

HIV wird oft missverstanden und führt deshalb zu Diskriminierungen von HIV-positiven Personen. Ein Betriebsklima, in welchem Diskriminierung und Mobbing herrschen, wirkt sich ungünstig auf die Produktivität aus. Mittels Information und Sensibilisierung kann Missverständnissen vorgebeugt werden.
Download des Leitfadens unter Online-Shop.
Job und HIV – Ein informativer Leitfaden mit Tipps rund um die Stellensuche und das Berufsleben

In der Broschüre, welche sich an HIV-positive Stellensuchende und Arbeitnehmende richtet, werden Themen wie Stellenbewerbung, Versicherungen, Datenschutz am Arbeitsplatz, Jobsuche, Kündigung etc. behandelt. Dieser Leitfaden zeigt die Rechte der Arbeitnehmer auf und soll helfen, Verunsicherungen abzubauen. Ergänzt wird die Broschüre mit nützlichen Adressen und einer Liste mit weitergehenden Informationen zum Thema.
Die Broschüre motiviert dazu, sich gegen Ungleichheiten seitens des Arbeitgebers oder der Mitarbeitenden zu wehren. Sie ist auf Online-Shop erhältlich und downloadbar.
Im Rahmen ihres Projekts Workpositive bietet die Aids-Hilfe Schweiz 20 HIV-positiven Menschen eine kostenlose Laufbahnberatung (3 Stunden) an.
Zusammen mit einem professionellen Laufbahnberater arbeiten diese an der Steigerung Ihrer Erfolgschancen auf dem Arbeitsmarkt. Anmelden kann sich jede HIV-positive Person, die sich beruflich neu orientieren, weiterentwickeln oder die wieder ins Berufsleben einsteigen möchte.
Das Anmeldeformular findet sich unter www.workpositive.ch
www.workpositive.ch
Die inhaltlich und visuell völlig überarbeitete Website ist eine
Informationsplattform für HIV-positive Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer sowie interessierte Arbeitgeber.
Sie bietet wichtige Angaben und Orientierungshilfen für HIV-positive Stellensuchende und Betroffene, die in den Arbeitsprozess integriert sind. Fragen zum richtigen Verhalten beim Bewerbungsgespräche, zu Versicherungen, zum Datenschutz am Arbeitsplatz, zur Kündigung, zum Kündigungsschutz und vieles mehr werden erläutert. Arbeitgeber finden Auskunft über medizinische und juristische Grundlagen und erhalten „7 gute Gründe“ warum sie auch eine HIV-positive Person anstellen können. Eine Sektion mit wichtigen Fragen und Downloads rundet die Informationsfülle ab.
Versicherungen
Durch die modernen Medikamente ist HIV zu einer meist behandelbaren, chronischen Krankheit geworden. Und trotzdem behandeln Versicherungen in vielen Belangen HIV-positive Menschen wie Todgeweihte.
In der Regel können sie keine Lebensversicherungen abschliessen, obwohl viele HIV-positive Menschen unter Therapie eine normale Lebenserwartung haben. Dies ist in vielen Studien seit längerem aufgezeigt worden. Ausgeschlossen ist für HIV-positive Menschen auch der Abschluss einer Zusatz-Krankenversicherung. Und Probleme mit der betrieblichen Taggeldversicherung kommen häufig vor. Diese unfairen Ausschlüsse aus den Versicherungen gefährden die soziale Sicherheit.
Lobbying bei Versicherungen
Bis heute ist es in der Schweiz für Menschen mit HIV in der Regel nicht möglich, Lebens- oder Einzeltaggeldversicherungen abzuschliessen. Verschiedene Studien zur Lebenserwartung ergaben, dass sich diese bei HIV-positiven Menschen kaum mehr von der Allgemeinbevölkerung unterscheidet. Mithilfe einer Ländervergleichsanalyse, die 2008 erstellt wurde, wird erneut auf die Versicherungen zugegangen und diese zu einer Praxisänderung aufgefordert.
Dabei strebt die Aids-Hilfe Schweiz eine Lösung an, in der HIV-positive Menschen nicht a priori ausgeschlossen werden. Für sie soll jeweils eine individuelle Risikoabklärung durchgeführt werden, wie dies bei Patientinnen und Patienten anderer chronischer Erkrankungen der Fall ist. Die Aids-Hilfe Schweiz fordert damit Gleichberechtigung unter chronisch Kranken.
Beratungen
Menschen mit HIV / Aids und deren Angehörige, Beratende in Aids-Organisationen, Mitarbeitende von Sozialdiensten und Spitälern, Ärzte und Ärztinnen, Arbeitgeber und andere Interessierte können sich mit Rechtsfragen, die in einem direkten Zusammenhang mit HIV / Aids stehen, telefonisch oder schriftlich an den Beratungsdienst der Aids-Hilfe Schweiz wenden.
Wir beantworten Fragen in folgenden Gebieten:
- Sozialversicherungsrecht
- Sozialhilferecht
- Privatversicherungen
- Arbeitsrecht
- Datenschutzrecht
- Patientenrecht
- Einreise- und Aufenthaltsrecht
Für eine persönliche Beratung in allen Fragen zu HIV und Aids wenden Sie sich bitte an die Aids-Hilfe Ihrer Region.
Wir klären ab, informieren, beraten und vermitteln. Je nach
Fall beantworten wir Fragen telefonisch oder schriftlich. Die Anfragen
werden streng vertraulich behandelt.
Unsere Dienstleistung ist kostenlos.
Das Beratungsteam der Aids-Hilfe Schweiz ist an folgenden Tagen für Sie da:
Montag, 9 – 12 Uhr
Dienstag, 9 – 12 Uhr und 14 – 17 Uhr
Donnerstag, 9 – 12 Uhr und 14 – 17 Uhr
Telefon 044 447 11 11
Fax 044 447 11 12
Sportklub
Aus Furcht vor einer Rückweisung oder gar dem Ausschluss aus einem aktiven Team, verschweigen HIV-positive Männer und Frauen häufig ihre Infektion. Die Unwissenheit der Kolleginnen und Kollegen und deren bewusste oder unbewusste Sorge vor einer Ansteckung sind einfach zu gross. HIV im Sport ist ein absolutes Tabuthema. Sei es im Training, im Wettkampf oder in der „dritten Halbzeit“.
Durch Medienarbeit und verschiedene Kampagnen sensibilisiert die Aids-Hilfe Schweiz die breite Bevölkerung dafür, dass es keinen Grund für eine Ablehnung von HIV-positiven Sportskollegen und –kolleginnen gibt. Weder aus sozialen noch aus gesundheitlichen Gründen.
Kindergarten und Schule
Schon die kleinen und Kleinsten sind von Diskriminierung und Mobbing betroffen. Und zwar nicht nur, wenn diese selbst HIV-positiv sind und der Status bekannt wird. Nein; es reicht schon, wenn bekannt wird, dass Vater oder Mutter der Kinder mit dem Virus leben. Es sind Fälle bekannt, wo eine HIV-positive Mutter für ihre Tochter ein Arztzeugnis in den Kindergarten mitbringen musste, in dem bestätigt wurde, dass das Kind nicht positiv ist.
Schulprojekt
Im Rahmen des Schulprojekts besuchen HIV-positive Frauen und Männer Schulklassen und erzählen von ihrer Infektion, ihrem Alltagsleben und klären gleichzeitig über HIV/Aids auf. So werden Schranken und Vorurteile abgebaut.
"Golden Age" mit HIV?
Die Lebenserwartung von HIV-positiven Menschen nimmt laufend zu. Somit werden die Betroffenen auch immer älter. Aber können sie den dritten Lebensabschnitt geniessen? Wenn sie ihren HIV-Status offen legen, ist dies oft nicht der Fall. Altersheime sehen sich mit der Frage konfrontiert, wie sie mit HIV-positiven Pensionärinnen und Pensionären umgehen. In der Pflege, aber auch im Heimalltag und im Umgang mit den anderen Pensionären.
Aus- und Weiterbildung von Mitarbeiterinnen
Im Gesundheitsbereich führt die Aids-Hilfe Schweiz Informationsveranstaltungen für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Spitälern sowie Fachschulen der Bereiche Gesundheit und Soziales durch.
Der Welt-Aids-Tag – Geschichte und Bedeutung

Seit 1988 wird weltweit an jedem 1. Dezember der Welt-Aids-Tag begangen, um Verantwortliche in Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft daran zu erinnern, dass Aids und das HI-Virus noch längst nicht besiegt sind. Aber auch um Solidarität mit den weltweit über 40 Millionen von HIV-Positiven Menschen zu zeigen, der über 20 Millionen von an Aids Verstorbenen zu gedenken und klar zu machen, dass für die Betroffenen jeder Tag ein Aids-Tag ist.
Für die Jahre 2005 bis 2010 lautet das internationale Welt-Aids-Tag-Motto „Stop Aids: Keep the Promise“. Es erinnert PolitikerInnen in aller Welt an ihr auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen zu HIV/Aids im Juni 2001 gegebenes Versprechen, sich national wie international stärker im Kampf gegen die weltweite HIV-/Aids-Epidemie zu engagieren.
Die Aids-Hilfe Schweiz hat den Welt-Aids-Tag 2009 unter das Motto „Auch 25 Jahre danach“ gestellt und möchte damit darauf aufmerksam machen, dass auch 25 Jahre nach ihrer Gründung noch viel zu tun bleibt, um Diskriminierung und Stigmatisierung aus dem Alltag von HIV-positiven Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern zu verbannen.
Veranstaltungskalender
Veranstaltungskalender
(schweizweite Aktivitäten rund um den Welt-Aids-Tag, wird laufend aktualisiert)

